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[Kliniktagebuch] Dritte Woche des 2. DBT-Moduls

Mein Thema diese Woche war Gefühle wahrnehmen und benennen und somit hab ich jeden Tag Wahrnehmungsblätter und Gefühlsblätter geschrieben, was erstens dringend nötig war und mir zweitens geholfen hat. Ich werde mir leere Arbeitsblätter mit nach Hause nehmen nach dem Modul und auch daheim weiterschreiben. Nach wie vor mein Ventil: Schreiben. Ob Blog, Tagebuch, Listen oder jetzt auch diese Arbeitsblätter – schreiben ist eigentlich immer gut, vor allem um die Gedanken zu ordnen und dem Kopfchaos Einhalt zu gebieten.

Von Sonntag bis Mittwoch gings mir extrem schlecht. So schlecht, dass sogar einmal passive Suizidgedanken da waren – etwas, das ich seit Ewigkeiten nicht mehr hatte und das mich ziemlich erschreckt hat. Die meiste Zeit war ich an diesen Tagen regelrecht depressiv, auch etwas, das ich normalerweise nur mal einen Tag oder so habe in letzter Zeit… Jedenfalls lag ich zwischen den Therapien die meiste Zeit mit Buch im Bett und so beendete ich diese Woche drei Bücher.

Total zugesetzt hat mir das Einzel in der Körpertherapie. Es war der erste Termin seit ich die DBT mache, da die Station ne zeitlang ohne Körpertherapeutin war und diese in den ersten zwei Wochen in diesem Aufenthalt krank war. Ich bin schon mit ungutem Gefühl reingegangen, da ich aus Aufenthalten in einer anderen Klinik nicht die besten Erfahrungen damit gemacht habe, aber ich hatte mir trotzdem vorgenommen, einfach mal mitzumachen. Ging zu Anfang auch gut, ein paar Körperwahrnehmungsübungen und dabei beschreiben wie sich der Körper anfühlt.

Allerdings kam dann der Part, der mich völlig aus dem Konzept brachte. Sie machte Musik an (und dann auch noch so „Obersofti-Kiffer-Reggae“) taumelte vor mir umher, bewegte ihre Hände komisch und sagte, ich solle mitmachen. Erst bin ich völlig perplex dagestanden und konnte es kaum fassen, was sich da gerade vor mir abspielte und dann versteifte sich mein Körper schlagartig und ich schlug mir die Fäuste vor den Mund und sagte „Äh.. ich kann nicht!?“, was sicher auch ein riesengroßes „Ich WILL nicht“ enthielt. Naja, sie versuchte mich dann zu überreden und ich wurde immer apatischer und biss schließlich sogar auf meinen Fingerknöcheln herum.

Irgendwann gab sie dann nach und ich sollte wenigstens wieder umhergehen, was mir aber extrem schwer fiel und schließlich setzte ich mich richtig psychomäßig in eine Ecke um mich dort wieder zu beruhigen. Die Stunde war an dieser Stelle auch schon so gut wie um und ich durfte zurück auf Station. Dort wurd ich dann noch von ner Schwester angeschnauzt (bzw. zumindest hab ich das so aufgefasst) und dann brachen erstmal alle Dämme und ich heulte ne Runde. War n sehr schwerer Tag…

Dafür gehts mir aber seit Donnerstag wieder besser. In der Gruppe gibts zwar immer noch Zickereien, aber inzwischen gelingt es mir einigermaßen, mich davon zu distanzieren – es nervt nur noch und die Therapie ist schwer genug. Außerdem hab ich dann in Gesprächen mit dem Personal rausgefunden, dass diese instabile Phase am Anfang der Woche wohl einfach die ganz natürlichen Auswirkungen dessen war, was im Moment mit meinem Leben passiert.

Ich bin ja eigentlich total im Umbruch. Alte Beziehung vorbei, neue Beziehung, sich neu auf jemanden einstellen müssen, alleine wohnen, geplanter Umzug ans andere Ende von Deutschland und auch noch eventuell wieder arbeiten. Die Schwester meinte, das würde wohl auch an einem „gesunden“ Menschen nicht spurlos vorüberziehen und ich hab mir schon wieder eingeredet „Das ist doch nichts…“, so lange bis mein Unterbewusstsein wieder einen Stopp gesetzt hat. Im Endeffekt handelt es sich da wieder um das Problem, das auch letzte Woche schon auftauchte: Meine nicht vorhandene Radikale Akzeptanz, bzw. mein allgemeines Problem damit, Veränderung zu akzeptieren.

Noch zwei Wochen und dann hab ichs erstmal wieder geschafft. Und ich bin froh drum. Mir fehlen die Katzen und die Zweitfamilie, die ich leider sowieso nicht mehr lange in meiner unmittelbaren Nähe habe, also die Freunde – die Katzen kommen selbstverständlich mit nach Köln.

Hab ich Leser aus Köln und Umland? Zwecks Kontakte aufbauen und so…

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Ein Kommentar zu “[Kliniktagebuch] Dritte Woche des 2. DBT-Moduls

  1. Das mit dem „normale Reaktion“ hätte ich dir jetzt auch gesagt. Uns wurde damals auch immer gesagt, dass ein depressiver Schub im Klinikumfeld völlig normal sei. Weil der Körper und die Psyche endlich auch mal „dürfen“. Sie dürfen einfach zusammenbrechen, weil man sich ja mit sonst nichts zu beschäftigen hat.

    Die Körpertherapeutin erscheint mir gerade etwas unsensibel…

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