Das Leben leben…

… ich versuche es und es klappt irgendwie.

In den letzten Tagen gings mir wieder etwas schlechter, wobei „schlecht“ auch nicht unbedingt stimmt, wenn ich es mit Einträgen von vor einem Jahr oder so vergleiche. Die Stimmung war nur nicht so gut, wie sie z.B. heute wieder ist.

Ich bin heute total glücklich, und das, ohne dass ich der ganzen Welt haargenau davon erzählen muss, warum es nun so ist (auch wenn sich die jenigen, die mich besser kennen ohnehin schon denken können, was da los ist *augenroll*) und es ist eigentlich okay für mich. Vor einigen Monaten wäre das noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen und ich hätte jeden Zweifel den es nur gibt, gierig aus der Luft gegriffen um darüber nachzudenken, um alles kaputtzudenken und es anschließend kaputtzureden.

Weiterer DBT-Pluspunkt also: Die Dinge positiv sehen und passieren lassen – ohne Druck. Und es funktioniert – zumindest meistens : )…

Und hier noch, ganz wie versprochen, für Polly:

Negatives mit Positivem aufwiegen

Ein Teil des DBT-Moduls „Gefühle“ ist es Negatives mit Positivem aufzuwiegen. Da ich vor allem in letzter Zeit hier hauptsächlich geschrieben habe, wenn es mir schlecht ging und mein Leben aber nicht nur aus negativen Momenten besteht, soll sich das nun ändern.

Gute Momente sollten genauso festgehalten werden.

x Stimmung ist gut
x Wetter toll
x und einige wenige Menschen in meinem Leben eine wahre Bereicherung
x : )

Show must go on… irgendwie

Seit Samstag aus der Klinik zurück, seit über einer Woche wieder allein im Leben… letzte Nacht die erste Nacht ohne Atosil geschlafen – irgendwie geht das Leben weiter. Verwundet, ja aber kein Totalschaden (auch wenn es sich in den ersten Tagen so anfühlte) – die Zeit wirds wohl verheilen lassen.

Dementsprechend haben mir die letzten zwei Klinikwochen nicht mehr sonderlich viel gebracht. Ich konnte mich nicht auf die Therapie konzentrieren, war viel mit dem Beziehungsstreß und der darauffolgenden Trennung beschäftigt und war die meiste Zeit mit Atosil sediert – auf meinen Wunsch hin, denn innerlich fühlte sich das Ganze an, als würde ich verbluten. Zum Grund der Trennung, die nicht von meiner Seite aus ging, möchte ich nur soviel sagen, dass eine Beziehung wohl einfach nicht klappen kann, wenn beide krank sind und einer untherapiert ist.

Dass Köln somit gestorben ist, dürfte auch klar sein… Vielleicht ist es besser so.

Heute geht es mir eigentlich ganz okay, liegt sicherlich auch an freundlichen Wetter draußen… Mja.

[Kliniktagebuch] Dritte Woche des 2. DBT-Moduls

Mein Thema diese Woche war Gefühle wahrnehmen und benennen und somit hab ich jeden Tag Wahrnehmungsblätter und Gefühlsblätter geschrieben, was erstens dringend nötig war und mir zweitens geholfen hat. Ich werde mir leere Arbeitsblätter mit nach Hause nehmen nach dem Modul und auch daheim weiterschreiben. Nach wie vor mein Ventil: Schreiben. Ob Blog, Tagebuch, Listen oder jetzt auch diese Arbeitsblätter – schreiben ist eigentlich immer gut, vor allem um die Gedanken zu ordnen und dem Kopfchaos Einhalt zu gebieten.

Von Sonntag bis Mittwoch gings mir extrem schlecht. So schlecht, dass sogar einmal passive Suizidgedanken da waren – etwas, das ich seit Ewigkeiten nicht mehr hatte und das mich ziemlich erschreckt hat. Die meiste Zeit war ich an diesen Tagen regelrecht depressiv, auch etwas, das ich normalerweise nur mal einen Tag oder so habe in letzter Zeit… Jedenfalls lag ich zwischen den Therapien die meiste Zeit mit Buch im Bett und so beendete ich diese Woche drei Bücher.

Total zugesetzt hat mir das Einzel in der Körpertherapie. Es war der erste Termin seit ich die DBT mache, da die Station ne zeitlang ohne Körpertherapeutin war und diese in den ersten zwei Wochen in diesem Aufenthalt krank war. Ich bin schon mit ungutem Gefühl reingegangen, da ich aus Aufenthalten in einer anderen Klinik nicht die besten Erfahrungen damit gemacht habe, aber ich hatte mir trotzdem vorgenommen, einfach mal mitzumachen. Ging zu Anfang auch gut, ein paar Körperwahrnehmungsübungen und dabei beschreiben wie sich der Körper anfühlt.

Allerdings kam dann der Part, der mich völlig aus dem Konzept brachte. Sie machte Musik an (und dann auch noch so „Obersofti-Kiffer-Reggae“) taumelte vor mir umher, bewegte ihre Hände komisch und sagte, ich solle mitmachen. Erst bin ich völlig perplex dagestanden und konnte es kaum fassen, was sich da gerade vor mir abspielte und dann versteifte sich mein Körper schlagartig und ich schlug mir die Fäuste vor den Mund und sagte „Äh.. ich kann nicht!?“, was sicher auch ein riesengroßes „Ich WILL nicht“ enthielt. Naja, sie versuchte mich dann zu überreden und ich wurde immer apatischer und biss schließlich sogar auf meinen Fingerknöcheln herum.

Irgendwann gab sie dann nach und ich sollte wenigstens wieder umhergehen, was mir aber extrem schwer fiel und schließlich setzte ich mich richtig psychomäßig in eine Ecke um mich dort wieder zu beruhigen. Die Stunde war an dieser Stelle auch schon so gut wie um und ich durfte zurück auf Station. Dort wurd ich dann noch von ner Schwester angeschnauzt (bzw. zumindest hab ich das so aufgefasst) und dann brachen erstmal alle Dämme und ich heulte ne Runde. War n sehr schwerer Tag…

Dafür gehts mir aber seit Donnerstag wieder besser. In der Gruppe gibts zwar immer noch Zickereien, aber inzwischen gelingt es mir einigermaßen, mich davon zu distanzieren – es nervt nur noch und die Therapie ist schwer genug. Außerdem hab ich dann in Gesprächen mit dem Personal rausgefunden, dass diese instabile Phase am Anfang der Woche wohl einfach die ganz natürlichen Auswirkungen dessen war, was im Moment mit meinem Leben passiert.

Ich bin ja eigentlich total im Umbruch. Alte Beziehung vorbei, neue Beziehung, sich neu auf jemanden einstellen müssen, alleine wohnen, geplanter Umzug ans andere Ende von Deutschland und auch noch eventuell wieder arbeiten. Die Schwester meinte, das würde wohl auch an einem „gesunden“ Menschen nicht spurlos vorüberziehen und ich hab mir schon wieder eingeredet „Das ist doch nichts…“, so lange bis mein Unterbewusstsein wieder einen Stopp gesetzt hat. Im Endeffekt handelt es sich da wieder um das Problem, das auch letzte Woche schon auftauchte: Meine nicht vorhandene Radikale Akzeptanz, bzw. mein allgemeines Problem damit, Veränderung zu akzeptieren.

Noch zwei Wochen und dann hab ichs erstmal wieder geschafft. Und ich bin froh drum. Mir fehlen die Katzen und die Zweitfamilie, die ich leider sowieso nicht mehr lange in meiner unmittelbaren Nähe habe, also die Freunde – die Katzen kommen selbstverständlich mit nach Köln.

Hab ich Leser aus Köln und Umland? Zwecks Kontakte aufbauen und so…

Gedanken ordnen bei aufsteigender Panik

Im Endeffekt hätte ich damit rechen müssen, hab ich aber nicht und schon gleich nicht so schnell. Letzten Samstag hab ich mich spontan via Online-Bewerbungsformular auf eine Ausbildungsstelle zur Buchbinderin in Köln beworben und heute erfahre ich, dass bei mir daheim bereits ein Brief des Betriebs eingegangen ist (obwohl die Bewerbungsfrist noch bis 15. April geht). Ich soll mich telefonisch zwecks eines Einstellungstests melden. –> O_O SCHOCK!!!

Es war auch ne Homepage des Unternehmens angegeben, die diese Einstellungstests durchführt und ich hab mir das mal angesehen. Mja.. und gleich darauf standen mir schon wieder die Tränen in den Augen, denn man soll mit dem Stoff der 7.-10. Klase Realschule rechnen und zwar in den Fächern Deutsch und Mathe. Deutsch ist absolut nicht mein Problem, aber Mathe dafür umso mehr -.- … In der 10. Klasse wäre ich beinahe nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden, weil ich zwischen 4 und 5 stand. Das konnte ich damals nur mit extrem viel Nachhilfe ausgleichen und das ist mittlerweile 8 Jahre her. Dazu kommt, dass Taschenrechner nicht erlaubt sind. Achja… und der Test dauert 4 (!!!) Stunden, bei dem unter anderem Mathe und auswendig lernen/anschließend wiedergeben getestet werden.

Und das Gedankenkarrusell startet:

x Fuck, was hast du dir nur dabei gedacht dich zu bewerben. Dir ist doch eigentlich bewusst, dass du das nicht auf die Reihe kriegen kannst.
x Jetzt darf ich nach Köln fahren um mich vier Stunden fertig zu machen und nur um dann zu versagen und am Ende noch in n depressives Loch zu fallen
x Am Ende muss ich noch alleine nach Köln fahren, weil keiner Zeit hat mich zu begleiten (Freiwillige bitte vor), da find ich mich niemals zurecht
x Was, wenn ich mich tot stelle und dort einfach nicht anrufe?
x Theoretisch muss ich den Test ja nicht machen…
x Aber dann mache ich mir bestimmt immer wieder Vorwürfe, dass ichs nicht mal probiert hab
x Aber wenn ichs probier und versage, was ziemlich sicher passieren wird, weil ich im Kopf gerade mal addieren kann, mach ich mir auch Vorwürfe, vielleicht sogar viel mehr als beim „nicht versuchen“
x Scheiße -.-

– – – – Gedanken- bzw. PanikStopp – – – –

– Wenn ich den Einstellungstest mache und ihn nicht schaffe, dann weiß ich wenigstens offiziell, dass ich noch nicht so weit bin, mich so einer großen Aufgabe wie einer neuen Ausbildung zu stellen, dann mach ich im September mein 3. DBT-Modul und arbeite weiter an mir, bis ich soweit bin
– Theoretisch muss ich mir dabei keine Schuldgefühle machen, denn damit ändere ich auch nichts an der Tatsache
– Ich könnte mir ein Buch mit Einstellungstest-Training besorgen (Edit: erledigt) und mich wenigstens etwas vorbereiten
– Ich sollte mich nicht unter Druck setzen, weils dann garantiert nach hinten los geht, indem ich ne Krise bekomm und dann überhaupt nicht mehr denken kann
– Niemand hat mich gezwungen, dass ich den Versuch starte, also kann auch niemand sauer sein, wenn ich es nicht schaffe
– Wenn ich es gar nicht erst probiere, dann bekomm ich den Job zu 100% nicht – also hab ich ja theoretisch nichts zu verlieren wenn ich den Test nicht schaffe… außer meinem Stolz
– Mal angenommen ich würde den Test unerwarteterweise schaffen, dann wäre das ein extrem riesiges Erfolgserlebnis für mich, das ich gut gebrauchen könnte

– – – – Planen – – – –

x bis Montag kann ich jetzt sowieso nichts ausrichten und Montag werde ich in Köln anrufen und fragen was und wann.
x es bringt mir nichts, wenn ich jetzt in mein altes Muster zurückfalle, indem ich alles stehen und liegen lasse, mich ins Bett lege und versuche der Angst und Ungewissheit durch Schlaf auszuweichen
x also wäre es jetzt wohl an der Zeit, Skills anzuwenden…
x erst beruhigen, dann ablenken
x beruhigen hat schon ganz gut geklappt, indem ich meine Gedanken hier geordnet habe
x ich möchte trotz allem versuchen, später die Rezensionen zu schreiben, wie ich es mir gestern vorgenommen habe