Letzte Worte zu 2011 – ein Rückblick

In den letzten Tagen/Wochen hatte ich absolut keine „Was-auch-immer“ um hier zu schreiben. Ich hab zwar öfter mal dran gedacht, dass es wieder an der Zeit wäre, einen Artikel zu verfassen, aber gleich danach kam der Gedanke, was ich schreiben sollte.

Es ist nicht so, dass zur Zeit nichts passieren würde – ganz im Gegenteil – aber ich hatte nicht den Eindruck, dass das überhaupt irgend jemand lesen wollen würde, weil ich ja irgendwie sowieso immer nur am rumjammern bin. Aber zumindest zum Jahresabschluss möchte ich die letzten Monate und vor allem Wochen mal zusammenfassen. Sozusagen als Bestandsaufnahme, um unbelastet ins neue Jahr zu gehen, oder es zumindest zu versuchen. Ich meine, für viele ist der Jahreswechsel nichts besonderes – und eigentlich ist es das ja wirklich nicht. Es ist „nur“ ne Zeitrechnung, um den Lauf der Dinge einordnen zu können…

Wenn ich so an den Jahresanfang zurückdenke, kann ich mich ehrlich gesagt auf den ersten Blick überhaupt nicht daran erinnern. Im Allgemeinen fällt es mir schwer, mich daran zu erinnern, was vor dem 18. November – der Trennung von Martin – war. Mein persönliches Neujahr? Im Endeffekt war es ja schon seit vielen Monaten immer wieder mal Thema. Der Gedanke, dass ich irgendwie unzufrieden bin und die Frage, ob es Sinn macht, das Ganze aufrecht zu erhalten. Aber der Gedanke daran, was ich alles verlieren würde, wenn ichs beende, nahm zu viel Raum ein. (Unter anderem) ziemlich materialistisch von mir… Peinlich sich das einzugestehen.

Ok… Anfang des Jahres 10 Kilo abgenommen – alles noch ok. Dann dieser Termin bei der Rentenkasse und ein paar Wochen später das Urteil, es würde mir gut genug gehen um Vollzeit zu arbeiten mit vielen kleinen fiesen Seitenhieben. Daraufhin die Selbstverletzung und die daraus folgenden beiden Krankenhausaufenthalte. Dann – machen wir uns nichts vor – der Absturz. Depression, alles wieder zunehmen und das Wissen, dass ich mich selbst zugrunde richten werde, wenn ich nichts unternehme.

Positiv: Seitdem keine Selbstverletzung mehr. Kein Schneiden, kein Kopf-irgendwo-gegen-schlagen. Körperlich „nur“ noch gelegentlich beißen und kratzen, aber keine blutenden Wunden.

(Emotional zwar öfter massiv selbstverletzt, mit kurzem Abstecher in die Pro-Ana-Welt im Sommer (idiotisch), aber irgendwie nach ein paar Wochen wieder die Kurve bekommen)

Im März der Entschluss eine DBT zu machen. Im August der Vorstellungstermin in Nürnberg, im September die Vorbereitung, im Oktober das erste Modul. Es hat mir sehr viel gebracht. Allerdings merke ich vor allem jetzt, dass das noch lange nicht gereicht hat. In den zwei Wochen danach war ich supermotiviert, trotz der Trennung. Mittlerweile holt mich alles ein und es geht mir offen gestanden nicht besonders gut. Irgendwann holt einen eben alles wieder ein und eine Beziehung von drei Jahren ist nicht von einen Tag auf den anderen verarbeitet, was ich am Anfang (wieder idiotischerweise) dachte.

Hm… mal überlegen –
eine Erinnerungssammlung bezüglich 2011:

Contra:
– Rentenkassen-Selbstverletzungs-Krankenhaus-Ding
– Depression + Absturz
– Ernüchterung und darauffolgende Trennung von Martin

Pro:
– WGT mit Timur, Christiane und Martin
– Oft am See gewesen mit Timur und Christiane – ich liebe diesen Ort
– Picknicken hinterm Haus mit den gleichen bereits erwähnten Leuten + Marco und Sabrina
– Allgemein viel mehr draußen gewesen, oft auch allein
– Angst ging extrem zurück, Sozialphobie beinahe eliminiert
– Dadurch viele tolle Leute kennengelernt, fast alle im realen Leben – ich sag nur Kassel, WGT, Klinik
– Klinikaufenthalt ohne Abbruch hinter mich gebracht

 

Ja – noch hänge ich auch zum Teil in meiner alten Beziehung und bin in gewisser Weise noch am trauern. Nicht weil ich es rückgängig machen möchte, sondern weil ich enttäuscht darüber bin, dass es einfach nicht geklappt hat. Aber du machst mir Hoffnung und gibst mir den Glauben an die Liebe zurück.

Und so betrachtet war dieses Jahr zwar nicht das beste, das ich jemals hatte, aber auch nicht das schlechteste, auch wenn mir das in den letzten Tagen irgendwie so vorkam – ich sollte wieder öfter bloggen, um mir Dinge besser vor Augen zu führen.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch <3…

Sollte euer Jahr auch nicht so gut verlaufen sein, macht euch ne Pro-Contra-Liste – ich war überrascht, dass die positiven Erinnerungen eigentlich überwiegen.

Aktuelles

Ich finde zur Zeit nur schwer Worte, deshalb hier der Auszug einer Mail an Erbse:

Mir gehts wechselhaft. Wie du sicher mitbekommen hast, bin ich (schon wieder..) seit einer Woche in ner neuen Beziehung und solang ich bei ihm bin, gehts mir auch größtenteils richtig gut, weil er das ist, was ich mir immer gewünscht hab… Wenn ich dann aber wieder nach Hause komme, wie gestern Abend, dann flasht mich die menschenleere Wohnung total und ich vermisse Martin bzw. die guten Zeiten mit ihm. Dass ich mich gleich wieder in eine Beziehung stürze, war eigentlich so überhaupt nicht geplant und hat sich trotzdem ergeben und das macht die ganze Sache etwas schwieriger, weil ich nebenher noch mit Martin abschließe… Etwas kompliziert… Aber der Neue, René, ist geduldig – zum Glück.

Mja… alles ist sozusagen irgendwie wie immer – denn ich schlag mich irgendwie durch und trotzdem bin ich im völligen Ausnahmezustand. Wieder allein wohnen, Fernbeziehung – auch wenns bis Nürnberg „nur“ 120 km sind, was durch die Bahn noch erträglich ist.

Am 13.Februar beginnt mein zweites DBT-Modul in der Psychiatrie. Bis jetzt sieht es so aus, als würd ich alle teilnehmenden Mitpatienten kennen. Meine letzte Zimmernachbarin ist wieder dabei und eine, die ich in meiner Vorbereitung kennengelernt hab und mit der ich mich zwischenzeitlich auch privat schon getroffen habe. Ich freu mich sogar n bisschen drauf. Die beiden sind klasse, weil total witzig. Außerdem wohnt René nur ein paar Straßen vom Klinikum entfernt – so wird es mir leichter fallen jeden Tag nach draußen zu gehen.

Beinahe sieht es zur Zeit so aus, als hätte ich meine Soziale Phobie überwunden… Ich pendle allein zwischen Weiden und Nürnberg, geh allein einkaufen und auch in die Fußgängerzone, wenn ich was von DM oder Müller brauche… Das is… verrückt. Nur am Nürnberger Bahnhof hab ich noch leichte Angst – da ist mir einfach zu viel los und ich klammere mich dann immer an Renés Hand… Letzten Samstag warn wir am Nürnberger Christkindlmarkt, da war total dichtes Gedränge, da hab ich auch „nur“ einmal n leichtes Aufsteigen von Panik gehabt… Eigentlich ne gute Statistik.

Was nicht so gut läuft ist, dass ich in letzter Zeit wieder öfter innere Anspannung und SVV-Drang hab, dem ich aber nicht nachgebe. Ich skille halt dann mit dieser Finalgoncreme und Ammoniak-Ampullen. Außerdem hab ich mich vor einigen Tagen ernsthaft zur Vernunft gerufen, damit ich mich mal wieder n bisschen zusammenreiß und seitdem gehts anspannungstechnisch wieder…

Jetzt muss ich nur noch über die letzte Beziehung wegkommen und das Ganze verarbeiten… Dann kanns weitergehen…

 

Wenn sich plötzlich alles ändert, dann …

… spielen sich die Bilder aus deinem alten Leben total oft vor deinem inneren Auge ab
… schnüren dir diese Bilder teilweise die Luft ab, weil du merkst, dass du dich in dem Glauben, es würde niemals enden, leider geirrt hast und das jederzeit wieder passieren kann.
… bist du traurig darüber, dass dir die Person aus dem alten Leben so schnell so verdammt fremd geworden ist
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Aber Veränderung ist nicht nur negativ behaftet – alles hat zwei Seiten.

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Denn wenn sich plötzlich alles ändert, dann …

… kannst du einfach mal probeweise so tun, als wärst du normal; zumindest ein bisschen
… gehst du wieder vor die Haustüre ohne Angst zu haben.
… weißt du deine Freunde mehr zu schätzen als jemals zuvor in deinem Leben
… unterhältst du dich auf einmal gerne mit fremden Leuten und interessierst dich sogar ernsthaft für sie
… fühlen sich deine Katzen auf einmal viel flauschiger an
… fühlt sich Sonne viel wärmer an
… fühlt sich auch Kälte angenehm auf der Haut an
… nimmst du Licht ganz anders wahr
… lebst du gerne
… setzt du dich in den Zug, ohne großartig darüber nachzudenken, was du doch für eine Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln hast; auch alleine; auch wenn es bereits draußen dunkel ist
… fühlst du dich wieder wohl in deinem Körper, ja, beinahe begehrt
… lächelst du viel und gerne
… willst du tanzen
… musst du urplötzlich und in den dämlichsten Situationen anfangen völlig irre zu lachen und wirst noch nicht mal schief dafür angekukt
… lässt du dich auf eine neue Person ein, auch wenn diese mehr Zeit braucht als du selbst
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Wenn sich plötzlich alles ändert, dann …

… kannst du neues ausprobieren, weil sich sowieso alles ändert
… werden die Karten neu gemischt
… ist alles möglich und alles wieder offen