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Das Ende eines Lebensabschnittes zu zweit

Ich sitze da, fühle mich ziemlich neutral. Ich höre Musik, schreibe bei Facebook mit Freunden, nebenher noch eine Rezension – und doch ist nicht alles wie immer.

Meine Arme fühlen sich klamm an, schwer. Und sie kribbeln ganz komisch – aber nicht im Sinne von lustig. Es fühlt sich an, als würde eiskaltes Blut durch meine Adern fließen. Ich mag dieses Gefühl nicht und doch ist es einfach da – und nein, ich habe mich nicht selbst verletzt… meine Arme machen das von allein und äußerlich sehen sie auch ganz normal aus.

Außerdem fühlt sich mein Magen komisch an. Ich habe keinen besonderen Hunger und wenn mein Magen doch knurrt, sich leer anfühlt, ist mir das egal – ich habe keine Lust mich damit zu beschäftigen, es scheint mir auch irgendwie nicht so wichtig, nicht so präsent, dass es mich stören würde.

So fühlt es sich also an wieder „allein“ zu sein. Single zu sein. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Ich hatte ein Bild von mir vor Augen, wie ich tränenüberströmt, nach Luft schnappend im Bett liege und dieses nicht verlassen kann und will. Ich habe mich gesehen, wie ich mich, die Wohnung und alles andere gehen ließ und nur in meinem Schmerz und meiner Trauer steckte. Stattdessen sitze ich hier, als wäre alles wie immer und… lebe weiter… einfach so… und es macht mir nicht einmal große Mühe.

Meine Therapeutin meinte, sie hätte es schon länger geahnt und einer andere Person meinte zu mir, ich hätte mich wohl schon seit etwa einem Jahr im „Trennungsjahr“ befunden – noch während der Beziehung… und ich fürchte es stimmt. Immer wieder war ich tottraurig, zweifelte an der Beziehung und führte endlose Gespräche mit Martin darüber, weil ich nicht soviel Zuwendung bekam, wie ich es mir wünschte, weil mir gesagt wurde „Ich finde dich nicht attraktiv.“, weil es mir fehlte, dass über meine Witze gelacht wird… Und jedes dieser Gespräche endete damit, dass alles so blieb wie es war und ich mir einredete, alles wäre gut, das würde alles nur an meiner Borderline-Erkrankung liegen, ich hätte zu hohe Ansprüche und müsste mich halt ändern.

Unter anderem deswegen entschied ich mich für die DBT, gewillt mich zu verändern. Und genau das ist passiert, aber es ist mir auch klargeworden, dass mich Leute wegen meiner Art mögen, dass meine Schlagfertigkeit gut ankommt, dass sie mich witzig finden und gerne meine Nähe suchen – dass sie mir ihre Wertschätzung gerne zeigen und das alles trotz meiner „unattraktiven“ Figur. Ich bin gut wie ich bin und muss mich äußerlich nicht zwingend verändern um von anderen angenommen und gemocht zu werden.

Und so kam ich aus der Klinik zurück – gestärkt und mit Selbstbewusstsein und führte ein weiteres Gespräch mit ihm, in dem ich nicht das hörte, was ich gerne gehört hätte. So beschloss ich mich einfach zurückzuziehen und abzuwarten was passiert… und leider passierte überhaupt nichts. Es stellte sich heraus, dass keine Nähe entsteht, wenn ich sie nicht suche bzw. regelrecht fordere. Im Endeffekt war es ein nebeneinander Leben, aber kein miteinander, kein wir…

Noch ein paar Tage redete ich mir ein, dass alles wieder gut werden könnte, wenn ich nur abnehmen würde – aber nachdem ich mit einer (meiner besten) Freundin(en) noch einmal darüber sprach, wurde mir schmerzlich bewusst, dass es eigentlich längst beschlossene Sache ist, dass es so nicht weiter gehen kann und soll und dass ich einfach nicht mehr will. Dass ich für mich abnehmen möchte, ohne den Druck zu haben, es tun zu müssen, weil ich sonst keine Nähe bekomme.

So nahm ich mir vor, noch bis Anfang Januar zu warten, um niemandem das Weihnachtsfest zu verderben, aber die Dinge kamen anders. Mein Weg führte mich zu ihm, ich weckte ihn auf und schilderte ihm die Lage und er nahm es hin. Zwar vergoß er Tränen – genauso wie ich, als ich ihn sah, wie er so wunderschön wie er ist in meinem Bett lag – aber er nahm es hin. Er kämpfte nicht um mich und als ich ihn fragte warum er dann nicht schon eher selbst Schluss gemacht hätte meinte er nur, er hatte gedacht, das würde schon irgendwie wieder werden.

Aber das wird es nun nicht.

Bis Mitte/Ende Januar soll alles über die Bühne sein… Er wird ausziehen, ich muss bei der Stadt melden, dass ich wieder allein bin um mehr finazielle Unterstützung zu bekommen und die Zukunftspläne zerplatzen wie eine Seifenblase. Kein Umzug nach Fürth. Kein Hof mit Pferden und Lamas. Keine Kinder mit ihm. Keine Hochzeit. Das schlimme ist, es fühlt sich nicht einmal besonders schlecht an, den Ring nach zwei Jahren nicht mehr zu tragen – beinahe freue ich mich wieder fingerlose Handschuhe anziehen zu können, die mit dem Giftring nicht möglich waren.

Heute dann die gemeinsamen Fotos abgenommen und dabei endlose Gewissensbisse gehabt… Sollte ich sie noch einige Wochen hängenlassen? Um der Beziehung meinen Respekt zu erweisen? Oder kann/darf ich mich einfach so von einem auf den anderen Tag für ein neues Leben entscheiden und mich sofort damit anfreunden? Ein bisschen Freude über die sich neuen bietenden Möglichkeiten empfinden? Sich „austoben“ zu dürfen – auch wenn ich es nicht vorhabe… aber einfach zu wissen „Ich dürfte das.“? Sollte ich nicht eigentlich traurige Lieder hören, statt die Musik zu hören, die mir im Moment einfach gut gefällt? Müsste ich nicht im Ausnahmezustand sein??

Und andererseits bin ich desillusioniert. Sehe die Sache unangenehm realistisch. Sehe die Liebe an sich unangenehm realistisch. Nichts ist für immer. Keine Liebe kann offenbar bis ins hohe Alter halten, auch wenn man sich am Anfang doch so sicher ist. Wozu Pläne schmieden, wenn es morgen, nächste Woche, nächstes Jahr schon vorbei sein kann? Offenbar sollte man die Liebe nehmen, wie sie kommt, kurz genießen aber fest damit rechnen, dass es sowieso nicht hält..? Ich fürchte, das wäre der vernünftigste Weg, sagt mein Kopf und mein Herz weint bitterlich, liebt es doch die Romantik so sehr, die Vorstellung von der großen Liebe, der Liebe des Lebens.

Nur eins ist mir bei dieser Sache klarer geworden als je zuvor: Ich habe die besten Freunde, die ich mir wünschen kann… Ich habe nicht damit gerechnet, so liebevoll aufgefangen zu werden. Danke.

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12 Kommentare zu “Das Ende eines Lebensabschnittes zu zweit

  1. hallo tialda:-///

    ich wünsche dir viel kraft auf deinem neuen weg….du packst das schon, denn du hast scheinbar sehr gute freunde an deiner seite!!! drück dich mal fest!! lg sendet dir die sonnengewand^^v^^
    …und noch etwas…“ wenn du gaanz fest an etwas glaubst und dir wünscht-wird es auch in erfüllung gehen!!“..das ist mir auch passiert….also, mal dir richtig aus, hof, pferde, lamas..und du mittendrin!! schönes we wünsch…

  2. Die Liebe gibt es jedes Jahr, jeden Monat, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Sie ist ein Gefühl das man tief in seinem Herzen hat, nur man muss diese auch sehen und anwenden können. Liebe zeigt sich auch nicht immer so da wie es in Hollywood gezeigt wird. Zu Liebe gehört auch das man sich streitet, dafür versöhnt man sich wieder und wenn man den richtigen gefunden hat, dann weiß man das. Und du wirst auch den richtigen finden.
    HDL.

  3. Auch von mir alles gute und viel gute energien auf einem neuen lebensabschnitt!
    Es ist schlimm festzustellen wenn einem das ganze egaler ist als man dachte…ich habe bis ende april auch sowas ähnliches gehabt wo ich nach der trennung festgestellt habe das es wirklich nötig und mir ziemlich egal war…nach 2 Jahren.
    Aber ich denke man muss irgendwo an eine ewig haltende Beziehung glauben…ich habe nämlich am anfang meiner jetztigen beziehung genauso gedacht und damit die beziehung sabotiert weil ich dachte das hält eh nicht lang konnte ich mich nicht auf die person einlassen und ihr vertrauen…und habe ihm damit mehr wehgetan als gut.irgendwann haben wir darüber geredet das wir eine lange beziehung schön fänden und das hat mir ziemlich die angst genommen allein die möglichkeit im kopf zuu haben das lange sehr sehr lange sein könnte reicht aus finde ich.wenn man von anfang an in eine beziehung reingeht und sagt das hält eh nicht kann man finde ich nicht glücklich sein und die beziehung ist schneller kaputt als man denkt…selbsterfüllende prophezeiung usw.
    Da ich mich damit lange beschäftigt habe eben wegen meiner beziehung dachte ich ich schreibe dir da mal was zu!
    Liebe Grüße!

    • Das mit der selbsterfüllenden Prophezeiung kommt mir bekannt vor… das ist öfter n Thema bei mir. Ich denke im Grunde genommen hast du schon recht, aber im Moment kann ich mir sowieso nicht vorstellen, dass mich überhaupt nochmal jemand haben möchte…

  4. Maus! Du hast alles recht der Welt die Bilder sofort abzuhängen. Und gerade wenn es so schwer war im letzten jahr, dann darfst du dich nun völlig befreit fühlen. Und Realismus muss nicht zwangsläufig schlecht sein! Ich würde noch mehr schreiben wenn ich nicht mit diesem handy schreiben müsste. Gute Entscheidung! Du bist toll wie du bist.

  5. Hallo Kleines
    Kein Mann ist es wert, daß man sich für ihn verbiegt. Entweder man wird genommen wie man ist, oder man lässt es. Auch andere Mütter haben Söhne. Und ich weiß daß dein blonder Engel auch ein ganz schöner Teufel sein kann ^^
    Und den Schlusstrich endgültig zu ziehen, indem du Bilder abhängst, ist nicht verkehrt. Es würde dir sonst nur länger weh tun als es muss.
    Suche nicht nach jemandem, mit dem du deinen Weg gehst, wenn die Zeit reif ist, kommt er von ganz alleine. Wenn du suchst baust du dir nur eine Traumwelt von einem Mann.
    Eines ist ja klar:
    Du weißt nicht, was du willst, du weißt aber, was du nie wieder haben möchtest.
    und das ist das einzige Kriterium, nach dem du schauen solltest.
    Nur ein kleiner Rat aus Erfahrung.

    • Danke für deine aufmunternden Worte… Mein Kopf weiß, dass du recht hast – mein Herz zickt noch etwas.
      Aber etwas neugierig bin ich schon, wer du bist, wenn du ihn offenbar kennst…

  6. Wie Svea schon sagte, Realismus muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Was nützt es, sich Dinge schön zu träumen, die es nicht sind?
    Und in Sachen Liebe bin ich mittlerweile auch ziemlich desillusioniert….vor allem weiss ich eines ganz sicher: Mache Dein Wohlbefinden, Dein Glück nicht von einem anderen Menschen abhängig. Das wird immer böse enden. Niemand kann Dich glücklich machen, wenn Du selbst es nicht kannst. Aber wenn Du mit Dir selbst im reinen bist und hinter Deinen Entscheidungen stehst, dann kann jeder Tag etwas völlig neues, spannendes bringen…. also, lass Dich überraschen 😉

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