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Momentaufnahme

Eines der hässlichsten Gefühle der Welt ist es, zwischen guten Freunden zu sitzen und sich trotzdem mutterseelenallein zu fühlen. Nicht aktiv an der Kommunikation teilnehmen zu können, weil man sich in seinem eigenen Universum befindet. Ich sitze auf dem Sofa, um mich herum meine Lieben, sich unterhaltend, und doch fühle ich mich wie auf einem Planeten, auf dem ich ganz allein sitze.

So ähnlich wie der kleine Prinz – nur dass ich mir dabei zu keinen poetischen Erkenntnissen komme. Ich blicke rechts und links neben mich und meine Freunde kommen mir vor, als wären sie miteinander in einer Welt. Es fallen Insider, anzügliche Witze – alles worüber ich normalerweise laut lache… Aber heute ist das nicht so. Heute sitze ich auf meinem Planeten, der von einer Seifenblase umgeben wird und die doch so undurchdringlich ist, dass ich nicht am Leben teilnehmen kann.

Ich sehne mir Martin herbei, dem es in solchen Fällen als einzigen gelingt, seine Arme durch die harte Mauer meiner Einsamkeit zu stecken, mich zu halten, mich damit zu beruhigen. Manchmal gelingt es ihm mich dann aus meiner Welt herauszuziehen und ich taue wieder auf und wenn das nicht klappt, hält er mich einfach nebenher fest und ich darf in seine Arme gekuschelt in meiner Welt bleiben und das Treiben um mich herum beobachten. Doch heute hat er Nachtschicht.

Vielleicht sollte ich mir einfach nicht alle Freunde einladen, wenn ich mich dem Ganzen alleine stellen muss… Aber gerade am Wochenende hat jeder eben Wochenende – außer Martin – und man sollte die Gelegenheit doch nutzen, den kleinen Freundeskreis zusammenzuhalten, solange es noch geht. In ein paar Monaten ist das sowieso nicht mehr so einfach, wenn zwei von uns sechs wegziehen.
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Über das Schreiben hinweg löst sich das Gefühl der tiefen Traurigkeit auf und ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das was ich ursprünglich an den Schluss setzen wollte überhaupt noch schreiben soll – es klingt furchtbar dramatisch…

Aber aus gegebenem Anlass frage ich mich wieder einmal, ob der Welt irgendetwas fehlen würde, wenn ich nicht mehr leben würde. Klar, meine Familie und wohl auch Martin und vielleicht auch Freunde wären betroffen – das passiert nun mal wenn jemand das zeitliche segnet. Aber der Schmerz geht vorbei und dann? Dann wäre es egal, denn ich verrichte in dieser Welt kein großes Werk… naja eigentlich überhaupt keines. Ich bin ersetzbar. Zerbrochene Seelen wie mich gibt es genügend – da kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an. Meine Familie hat sich selbst, meine Freunde werden neue Freunde kennenlernen und Martin findet ne neue Partnerin. Dann würde ich einfach so in Lauf der Zeit untergehen – Geschichte hätte ich nicht gemacht…

Und vielleicht… …stelle ich mir die Frage deshalb, weil mir der Schritt in die Psychiatrie wie ein kleiner Tod erscheint. Wer wird an mich denken oder gar das Bedürfnis verspüren einen Kontakt zu mir zu halten? Wer wird noch da sein, wenn ich wieder raus komme? Und werde ich dann überhaupt noch ich sein?

Und… wer bin, bzw. ist Ich eigentlich?

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