Es geht weiter

In den letzten Tagen war ich tatsächlich so beschäftigt, dass ich nicht zum Schreiben kam. Ich verbrachte viel Zeit bei Marco und Sabrina um nicht allein sein zu müssen und das konnte mich auch gut ablenken.

Bisher war ich jeden Tag in der Woche zumindest kurz draußen und es stellte sich eigentlich auch keine Angst ein. Aber ich denke, dass ich heut mal ne Pause mache, weil ich noch mindestens ein Buch rezensieren will, bevor Mittwoch mein DBT-Modul anfängt. Ich bekam vor zwei Tagen Bescheid und einerseits hab ich mich gefreut – aber andererseits hab ich mich mittlerweile schon wieder so gut daheim eingelebt, dass ich nicht mehr weg möchte. Und ich bin mir sicher, dass ich nach den 5 Wochen DBT wieder nicht mehr nach Hause möchte. Das Gewohnheitstier hat gesprochen.

Ob ich bevors los geht nochmal zum hier schreiben komme, weiß ich nicht. Morgen kommt Martin bis Montag heim ❤ und Montag kommt Mama schon – sie hütet die Katzen solange ich in der Klinik bin und Martin in der Schule ist.

Somit hab ich mich auch hier abgemeldet *abhak*, es sei denn, ich muss noch dringend etwas loswerden.

Achja.. ich schätze, dass ich dann wohl zwischen 04. und 11. November entlassen werde.

DBT-Vorbereitung: Tag 11

16. September 2011 – Freitag

Heute Früh war ich nicht so fit, als ich aufstehen musste. Nach der Morgenrunde war ich kurz bei der Visite, ich sagte, dass ich so gern für immer hier bleiben würde und man sagte mir scherzhaft, dass sie gar nicht daran denken würden, mir ein Zimmer unterzuvermieten. Schade eigentlich. Danach bin ich wieder mit D. und A. in Ergo um dort zu plaudern und zu stricken. Den Ergotherapeuten, Herrn S. mag ich auch total gern.

Nachm Mittagessen war wieder Imagination. Aber irgendwie liegt mir das einfach nicht. Erst wurde ich sehr müde und dann ertappte ich mich dabei, dass ich mit den Gedanken längst wo anders war – nämlich bei meinem morgigen Abschied. Ich will die Mädels nicht zurücklassen… am liebsten würd ich sie in meinen Koffer packen und mit ihnen in eine WG ziehen.

Ich hab allgemein das Gefühl, dass mir das Wohnen in einer WG mit anderen psychisch Kranken gut tun würde. Mit dem Rückzug ins Zimmer, wenn ich Ruhe brauche, und Gesellschaft, wenn es mir gut geht und ich Gesellschaft will. Aber ich wohne mit Martin zusammen und diesen „normalen“ und vielleicht auch erwachsenen Schritt möchte ich eigentlich nicht mehr zurückgehen… Trotzdem wurde mir bei diesem Aufenthalt klar, wie einsam ich eigentlich die ganze Zeit bin. Vielleicht sollte ich mir irgendwelche Gruppen für psychisch Kranke suchen… Beim Spdi oder so..?

DBT-Vorbereitung: Tag 10

15. September 2011 – Donnerstag

So langsam kommen mir Gedanken in den Kopf, dass ich am Samstag gehen muss. bin schon traurig darüber, weil ich vor allem J., A. und D. sehr ins Herz geschlossen hab : (…

Nachmittag gabs ne mittelschwere Katastrophe. Ich hatte mich bei Schwester I. und Schwester A. darüber geäußert, dass R. oft sehr viel redet und es mich dann auch teilweise triggert, aber ich habe auch gesagt, dass ich sie trotzdem sehr mag. Nun hatte R. heute Visite und Schwester A. hat was ich gesagt hab, in der Teambesprechung erwähnt und der Chefarzt hat zu R. dann im übersetzten Sinne gesagt, dass sie nicht ständig über Belastendes reden soll, da sich Patienten beschwert hätten.

Als sie es dann total außer sich am Tisch erzählte, meinte ich, dass ich etwas gesagt hätte. Aber zum erklären blieb mir gar keine Zeit, weil sie sauer abdampfte. Das hat mich Harmoniesuchti dann natürlich total fertig gemacht und das wurde auch erst besser, nachdem wir beide, jeder einzeln, ein Gespräch mit Schwester A. hatten und diese so lange auf mich einredete, bis ich mich traute R. gegenüberzutreten und mit ihr darüber zu reden. Jetzt passt wieder alles… Wasn Drama…

Abend war ich noch mit meinen Mädels in Ergo und hab dort gestrickt.

DBT-Vorbereitung: Tag 9

14. September 2011 – Mittwoch

Ging mir dann gestern den restlichen Tag nicht wirklich gut. Als ich Abend mit Martin telefonieren wollte, hatte er nicht viel zu sagen und ich auch nicht, so war das Telefonat recht schnell beendet und ich noch geknickter. So sehr, dass ich total heulen musste. R. fragte ob sie mir helfen könne und ich bat sie darum, mich in den Arm zu nehmen, was sie auch gemacht hat. Manchmal sind Skills, die man alleine macht, einfach nicht das richtige und es bedarf körperlicher Nähe.

Heute verlief der Tag ganz ok, bis Nachmittag Schwester K. zu uns, also D. und A. an den Tisch kam und meinte, wir wollten bei dem guten Wetter doch mal raus gehen. A. und D. waren schon draußen und ich weigerte mich. Kurz darauf kam R. und erzählte, dass sie gerade draußen war und sogar eine Station mit dem Bus gefahren ist. Sie hat uns so freudig davon erzählt, dass ich immer geknickter wurde und schließlich ins Zimmer gegangen bin um mich aus der Dissoziation wieder rauszuskillen.

Nach 2 Chilligummibärchen und 2 Riechstäbchen wars immer noch nicht besser und ich bin wieder in den Aufenthaltsraum, wo D. und jetzt J. saß. Da hab ich dann erzählt, was los ist und sie haben mir n paar Tipps gegeben. Zuhören beruhigt mich sehr, wenn ich aufgewühlt bin. Ich sollte mir vielleicht n Hörbuch oder sowas zulegen…

Nachm Abendessen hab ich Martin angerufen um n ernstes Wort mit ihm zu reden. Mir ist wichtig, dass er sich ab jetzt ernsthaft über Borderline informiert und mit mir mitlernt. Ich hatte sehr Angst, dass er abblockt und sich weigert, was aber nicht passiert ist. Trotzdem fühle ich mich unwohl – obwohl unser Gespräch so gut lief.

Hier, wo ich mehr gefordert werde, mehr unter Menschen bin, wird mir erst so richtig klar, wie krank ich eigentlich bin. Das erschüttert mich und vor allem die Dissoziationen will ich nicht hinnehmen, obwohl ich es sollte, weil sie schlimmer werden, wenn ich mich dagegen wehre.

Was mich noch enttäuscht und etwas traurig macht, ist, dass sich M. nicht ein einziges Mal gemeldet hat. Eine SMS tut doch wirklich nicht weh!?… Es fällt mir so verdammt schwer, mich damit abzufinden, dass diese Freundschaft nach so vielen Jahren endgültig „leer“ sein soll… und manchmal frage ich mich, ob es überhaupt jemals eine richtige Freundschaft war und nicht eher eine Zweckgemeinschaft : (… Ich möchte heulen und bessere Zeiten zurückholen…

DBT-Vorbereitung: Tag 8

13. September 2011 – Dienstag

Mir ist grad nicht so… Ich bin immer noch traurig und auch n bisschen ärgerlich, dass ich nicht zur Musiktherapie gehen durfte, weilse angeblich die letzten, die sich angemeldet haben, wieder raus nehmen mussten, damit es nicht zu viele wurden. Tja- R. durfte gehen, obwohl sie sich später angemeldet hat und nur mal so zum Spaß hin wollte, während ich der Stunde total entgegenfieberte.

Eigentlich ärgert es mich nicht nur n bisschen, sondern sehr. Und überhaupt nervt mich R. immer mehr. Dieses endlose sinnfreie Gelaber den ganzen Tag… -.-

Ansonsten verlief der Tag eh irgendwie durchwachsen heute. Vormittag war ich strickend im Aufenthaltsraum und Mittag hatte ich meine VA Vorstellung. War vorher extrem nervös und voller Angst, als ich aber dann im Zimmer saß und sah, dass nur Frauen da sind, beruhigte ich mich und brachte den Akt schnell über die Bühne.

Wegen der ausfallenden Musiktherapie bin ich dann mit A. und D. zur Ergotherapie. Hab da nicht viel gemacht und jetzt bin ich auch super demotiviert.

18:16

Ich bin total traurig und weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll…

DBT-Vorbereitung: Tag 7

12. September 2011 – Montag

Nachdem ich mich gestern Abend wieder beruhigt hatte, spielte ich mit N. und J. noch Karten und es kam zum abendlichen Lachflash. Selbstverständlich war der auch wieder vorbei – gefolgt von „irgendwie depri sein“.

Heute war n voller Tag – zumindest für meine Verhältnisse hier. in der Morgenrunde habe ich angesprochen, dass ich meine gewaschene Wäsche nicht mehr in italienischen Kleiderschränken finden möchte. Natürlich hieß es wie immer „Iche ware nix“… na klar – Wäsche springt von alleine in fremde Schränke.

Nach der Morgenrunde bekamen die Borderliner ein Arbeitsblatt mit einer Achtsamkeistübrung, da die Achtsamkeitsgruppe wegen Personalmangel ausfiel. Es waren Worte vorgegeben, aus denen man eine kleine Geschichte bauen sollte und zwar ohne zu bewerten oder so. Fiel mir leicht.

Gegen 10 wäre eigentlich freie Ergotherapie gewesen, aber da der Raum von einem Patienten belegt ist, haben wir ein Würfel-Frage/Antwort-Spiel gespielt. Hat Spaß gemacht.

Nachm Mittagessen hatte ich meinen Termin bei Frau K. und wir legten die Ziele fest. Das übergeordnete Ziel lautet, das ich wieder am Leben teilnehmen und besser mit Borderline leben kann und als Etappenziele haben wir „Selbstakzeptanz“ und „Spannung und Gefühle regulieren im Kontakt mit Menschen“, wobei zweiteres wohl mein erstes Etappenziel wird. Aber fix gemacht wird das erst morgen, wenn ich die VA vorm Team vortrage.

Nachmittag kam endlich Schatz und wir fuhren in die Stadt. Aber schon im Parkhaus gabs den ersten Konflikt. Ich sagte so im Spaß „Na? Hast aber sportlich eingeparkt.“ und er reagierte gleich total sauer, von wegen „Musst du immer meckern!?“ Darüber erschrocken fing ich zum heulen an, weil ich so verwirrt war. Wir sprachen dann noch im Auto drüber, dass ich das nicht bös mein, wenn ich ihn ärgere und dass ich in der letzten Woche wieder mehr zu mir selbst gefunden hab und mir diese witzige Art an mir total gefehlt hat und in den Hintergrund gedrängt wurde durch die Krankheit. Das sah er dann ein und so wurde es ein richtig schöner kleiner Ausflug.

Umso trauriger war ich dann, als ich zur Psychiatrie zurück musste und Martin nach dem Abendessen ging. Ich zog mich dann ins Zimmer zurück, R. kam mir nach und musste sich dringend drüber beschweren, dass ich nach dem Föhnen vergessen hatte, das Waschbecken und ihren Nachttisch wieder sauber zu machen. Und natürlich reichte es nicht es einmal zu erwähnen, nein. 5 Mal den gleichen Satz in verschiedenen Variationen…

Hab mich bei der DiaryCards-Besprechung drüber ausgekotzt und bin dann aufs Zimmer um zu Schreiben. Ich hab grad total das Bedürfnis mich zu triggern und überlege zu Schwester I. zu gehen…