Klinikgespräche und Urlaub

Ich bin wieder zurück. Also eigentlich schon länger – seit Sonntag Abend.

Mittwoch hatte ich ja diesen Termin in der Klinik/Psychiatrie. Kurzerhand hatte ich zwei Termine, erst ein Gespräch mit der Stationsärztin und dann noch ein „blabla (hab ich vergessen)-Interview“ bei einer anderen Psychologin. Zweitere ging mit mir nen langen Fragebogen durch, der so ne Art „Borderline-Test“ war. Sie meinte, sie würden bei jedem Patienten vor dem Aufenthalt eine aktuelle Diagnose stellen, damit jeder die gleiche Ausgangssituation hat oder so ähnlich. Das Ergebnis habe ich aber noch nicht.

Dafür bekam ich von der Stationsärztin am Freitag einen Anruf mit der Nachricht, dass ich an der DBT teilnehmen darf. Sie hatte meinen Fall dem Team vorgestellt und die haben das dann entschieden.

Weiter gehts folgendermaßen: Vor den 5 Wochen DBT muss man zwei Wochen Vorbereitungsphase absolvieren, in der man seine Ziele für die DBT festlegt. Für diese zwei Wochen bin ich nun auf der Warteliste an Stelle 20. Wenn alle vor mir dran kommen, werde ich so um die 2 Monate warten müssen. Es kann aber auch passieren, dass die Patientinnen vor mir nicht zu erreichen sind, wenn der Anruf kommt und dann rufen die gleich den Nächsten auf der Liste an – kann also unter Umständen auch weniger als zwei Monate dauern. Ich stell mich einfach mal drauf ein, dass der Anruf in den nächsten zwei Monaten kommt. Nach den zwei Wochen komme ich dann auf die Warteliste für die 5 Wochen Aufenthalt. Aber ich schätze, dass dann erst nächstes Jahr aufgenommen werde.

Das Personal der Station ist eigentlich sehr nett, nur die Station an sich bereitet mir Unbehagen. Dunkle Gänge, kleine Zimmer, manche Zimmer sogar mit Bad auf dem Gang… Dann gibt es einen Raucherbalkon – das ist so n ganz kleines Stück Balkon, das bis zur Decke vergittert ist, wohl um zu verhindern, dass jemand springt. An sich ist die Station zwar offen, also Borderliner können rausgehen wann sie wollen, aber es kann trotzdem sein, dass die Türen teilweise abgeschlossen sind, weil auf der Station auch Patienten mit anderen Diagnosen sind. Ich hatte noch nie mit Leuten zu tun, die ne Diagnose haben, die ne geschlossene Station erfordert und ich hab, so blöd es klingt, Angst auf solche Menschen zu treffen, weil ich nicht weiß ob diese auch handgreiflich werden könnten oder so… Die Leute auf dem Raucherbalkon haben auch total fies gekukt, aber vielleicht hab ich mir das auch nur eingebildet.
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Nach dem Kliniktag sind wir nicht wieder heim gefahren, sondern sind noch eine Nacht lang in Martins Elternhaus geblieben. Am nächsten Tag hatten wir nen Werkstatttermin fürs Auto – deshalb. Aber an diesen Tagen wars ja so extrem heiß, auch in unserer Wohnung und in dem Haus wars so wunderbar kühl und so beschlossen wir noch bis Sonntag dort Urlaub zu machen.

Das waren wirklich schöne entspannte Tage. Einen Abend waren wir im Kino in Nürnberg und an zwei anderen Abenden haben wir in Fürth was mit dem Martin-Freundeskreis unternommen. Tagsüber haben wir meist gelesen oder geschlafen.

Sonntag wollte ich dann überhaupt nicht mehr nach Weiden zurück. Ich fühl mich dort einfach nicht mehr „richtig am Platz“. Weiden ist zu klein, als dass man richtig was unternehmen könnte und zu groß um Stille und gute Luft zu haben. Eine blöde Mischung… Wir überlegen, ob wir nicht schon eher nach Fürth ziehen sollen, als erst in zwei Jahren. Ich glaube, ein Tapetenwechsel würde mir gut tun, denn immer wenn wir irgendwo anders sind, gehts mir ganz gut und wenn wir dann zurück nach Weiden, in diese kleine Wohnung kommen, falle ich sofort wieder in meinen alten Depri-Trott.

Reset

Samstag war ich am Morgen so verwirrt, dass ich (offenbar) meine morgendliche Dosis Tabletten vor dem Frühstück genommen habe und in müder Umnachtung meine abendliche Dosis danach auch noch eingeworfen habe. Das Ende vom Lied war, dass ich es erst Mittag gemerkt habe und mir dann am Abend dachte „Hm.. jetzt nimmste Abend halt keine Tabletten – haste ja schon.“

Nachdem ich mich dann mehrere Stunden im Bett gewälzt habe und nicht einschlafen konnte, stand ich dann wieder auf, da Martin Frühschicht hatte und durch meine Unruhe nicht schlafen konnte. Also hab ich im Wohnzimmer gelesen… und gelesen… und gelesen. Um vier stand Martin auf – ich war immer noch nicht müde. Ich ging dann zwar ins Bett, las aber dort weiter.

Letztendlich sah ich um kurz vor 12 Uhr auf die Uhr und dachte mir „Scheiße… jetz sollteste wirklich mal schlafen“. Hab mich dann hingelegt, die Augen zugepresst obwohl ich immer noch nicht müde war und konnte dann auch bis 14 Uhr schlafen, also am Sonntag dann quasi. Den Tag über war ich dann ziemlich matschig, aber es ging mir nicht schlecht. Ich lag den ganzen Tag im Bett und hörte mit geschlossenen Augen Musik – ich fühlte mich sogar richtig zufrieden.

Abend hab ich meine Tabletten wieder genommen und bin dann auch schön eingeschlafen. Aber seitdem ist irgendetwas anders. Gestern ist es mir noch nicht so aufgefallen – nur, dass es mir gelang mich an Metabolic zu halten und dass ich irgendwie ausgeglichener war. Und heute gehts mir immer noch ganz okay und bisher bin ich immer noch an Metabolic dran.

Gut – das sind jetzt zwar erst etwas mehr als zwei Tage (Sonntag hats auch gut geklappt), aber es ist immerhin etwas. Offenbar bin ich durch diese Nacht von Samstag auf Sonntag aus der üblichen Lethargie irgendwie ausgebrochen…

Ähnliches passierte mir dieses Jahr schonmal – In der letzten WGT-Nacht feierten wir so lange, dass ich vergaß meine Nachttabletten zu nehmen und wurde so auch nicht müde und konnte die Nacht durchmachen. Ich fühle mich dadurch seltsam klar im Kopf, als könnte ich richtig weit sehen. Eigentlich fällt es mir nicht auf, wenn ich meine Tabletten so nehme wie ich soll, aber im Vergleich zu diesen beiden durchgemachten Nächten, fühle ich mich immer etwas … „in Watte gepackt“.

Die Nachttabletten sollen bewirken, dass ich am Abend wieder runterkomme, da ich am Morgen mit Citalopram einen Wirkstoff nehme, der den Antrieb fördern soll, was so gut funktioniert, dass ich ohne Tabletten am Abend nicht schlafen kann, erst gar nicht müde werde. Nun könnte man sagen „Lass die Abenddosis doch weg!?“… Nur dann kann ich wie gesagt nicht mehr schlafen, also wäre das wohl keine gute Idee…

Aber egal. In den letzten beiden Tagen und heute geht es mir besser als sonst. Keine Ahnung wie lange das andauert – wahrscheinlich nicht lange, aber ich soll ja nicht immer alles schlecht reden.

Morgen hab ich dann den Termin in der Psychiatrie in Nürnberg zum Vorgespräch für die DBT. Ich bin gespannt.

Sinnlos

Schon wieder ne ganze Woche nichts mehr geschrieben… wenn man bedenkt, dass es Zeiten gab, in denen ich jeden Tag etwas zu sagen hatte hier… hm.

Es passiert aber eigentlich auch nichts und in meinem Kopf tut sich auch nicht viel außer „Abnehmen! Ich muss abnehmen!“ und „Scheiße, schon wieder etwas gegessen, das ich nicht hätte essen sollen…“

Nächste Woche Mittwoch hab ich das Vorgespräch in der Klinik. Irgendwie fiebere ich dem Aufenthalt entgegen… Endlich etwas tun, nicht nur in den Tag hineinleben. Und dann frage ich mich wieder, ob ich dort wirklich richtig bin… Ich verletzte mich körperlich seit längerem nicht mehr selbst und dreh auch sonst eher selten durch. Bin ich mit Depressionen und mangelndem Selbstbewusstsein aufgrund meines Gewichts richtig in einer DBT?

Ich hab Angst davor, dass ich weggeschickt werde, weil man nichts für mich tun kann oder dass ich mich wieder gehen und in Borderline richtig reinfallen lasse, wenn ich permanent von solchen Leuten umgeben bin. Auch mach ich mir Gedanken darüber, wie wohl das Essen dort sein wird. Bei meinem letzten Klinikaufenthalt hab ich so extrem zugenommen, das Essen war richtig lecker und ständig gabs irgendwo Süßkram… Ich möchte auf keinen Fall zunehmen dort, am besten noch abnehmen.

Ansonsten fühle ich mich aktuell … irgendwie „nicht“. Ich existiere vor mich hin, hab keine Kraft dazu mich besonders zurecht zu machen, meine Haare sind nicht nachgefärbt und geschminkt habe ich mich ewig nicht mehr – trau mich somit noch weniger raus als ohnehin schon und wenn ich mal draußen bin, dann starre ich die meiste Zeit auf den Boden und möchte mich am liebsten dort eingraben. Sobald mir eine Person ins Gesicht sieht, würde ich am liebsten unsichtbar, so sehr schäme ich mich…

Mah.. ich ich meine sinnlose Existenz hasse.

Die zweifelhafte Strategie

Ja.. es ist eine extrem zweifelhafte Strategie sich ständig „Pro-Ana“-Seiten im Internet reinzuziehen… Aber was ist, wenn es einem hilft sich an eine Ernährungsumstellung zu halten und nichts Süßes oder Kohlehydratelastiges zu essen – sprich: wenn es einem hilft nur das zu essen, was man eigentlich soll?

Pro Ana besteht eigentlich nur im Internet und ist ein Zusammenschluss von meist sehr jungen Mädchen (Hauptalter ist 13-17) die sich darin übertrumpfen wollen nichts zu essen und immer mehr abzunehmen. Mit 50 Kilo sehen sie sich als viel zu fett und ihr Ziel ist es sich in lebensgefährliche Zustände zu hungern. Der Name bedeutet Pro Anorexie, also direkt übersetzt „Für Magersucht“, was ich ganz klar nicht befürworte!

Aber nachdem ich mir letzte Woche aus Neugierde solche Seiten durchgelesen habe und mir dabei der Hunger auf Süßkram und „Extras“ verging, wollte ich nicht mehr damit aufhören. Ich fing an zu leiden. Ich hab nur das gegessen, was ich laut Metabolic Balance darf und hab auch prompt abgenommen – wie es sein soll. Doch konnte ich an nichts anderes mehr denken als daran, was ich gerade eigentlich am liebsten essen würde und was für ein ekelhaftes Stück ich bin.

„Ana“, die sich diese Pro-Ana-Mädchen als eine Art Freundin vorstellen und deren harte, anklagende Briefe (die wohl irgendwann von Anhängerinnen geschrieben wurden) auf beinahe jeder dieser Seiten zur Schau gestellt werden, hatte sich auch bereits in meinem Kopf breit gemacht (und hat sich in meinem Unterbewusstsein eingenistet).

Weil ich ahnte, dass es an Fehl-/Problemverhalten grenzt, sich auf diesen Seiten rumzutreiben, erzählte ich Montag meiner Therapeutin davon und sie meinte es wäre sogar als eine Art Selbstverletzung zu werten, wenn ich mich mit Selbstvorwürfen unter Kontrolle halte… Meine Gedanken dazu: „Scheiße… ich bemitleidenswerter Trottel“ und „Ausgezeichnet, selbstverletzt, lange nicht mehr gemacht und doch herbeigesehnt – davon bekomm ich wenigstens keine sichtbaren Narben.“

Ich weiß es klingt hart (und ruft mich jetzt bloß nicht an um mir ne Standpauke zu halten – wenn ihr die Wahrheit nicht verkraftet, lest meinen Blog lieber nicht…), aber ich glaube trotzdem, dass ich es nur mit dieser Strategie der „Selbstgeißelung“(?) schaffe abzunehmen. Ich will und kann nicht damit aufhören, mir einzureden wie ekelhaft und widerwärtig mein Körper aussieht – dass ich, solange ich nicht wieder normale Maße annehme, nichts Wert bin (vor allem nicht in meinen Augen und kein glückliches Leben führen kann. Es gelingt mir wohl nur durch seelischen Schmerz diszipliniert zu bleiben.

P.s. Nein – ich ziehe Kotzen/Abführmittel/etc. nicht in Erwägung.

Insomnia

Die letzte Nacht war einfach nur furchtbar. Nachdem ich zu müde war um weiterzulesen, hab ich das Licht ausgemacht. Aber schlafen konnte ich trotzdem nicht. Hin und her gewälzt, an Schatz angekuschelt, ganz weit weggerutscht – keine Position war die Richtige.

Ich liege da und die Gedanken fangen an zu kreisen. Keine Perspektive, keine Perspektive, für immer krank, für immer gestört, keine Perspektive, zu nichts nuzte…

Irgendwann traue ich mich meine Augen nicht mehr schließen, habe, so bald sie zu sind, das Gefühl ich würde beobachtet. Mir schnürt sich die Kehle zu. Angestrengt reiße ich die Augen auf, wage kaum noch zu zwinkern. Der Atem beschleunigt sich, Luft, mir fehlt Luft… Neben mir höre ich ein schläfriges „Was ist denn…“ – aber ich kann nicht antworten. Fange an zu wimmern. Martin ist im Halbschlaf, wird mürrisch „Ich muss um 4 raus.. muss schlafen… ich geh gleich ins Wohnzimmer…“.

Ich bekomme noch mehr Panik, halte mich zurück und atme nur noch lautlos schnell. Reiße meine Augen auf so weit es geht und blicke panisch im Zimmer umher, das im Zwielicht liegt. Irgendwann fasse ich mir ein Herz und flüstere „Schatz…?“, „Mmmh..?“, „Kannst du mir Notfalltropfen machen..?“, „Mmmh. Wieviele denn? 20?“ … … ich überlege, will einfach nur so schnell es geht einschlafen „50 bitte.“

Nachdem ich mich überwinden konnte, die Tropfen zu Schlucken werde ich augenblicklihc entspannter. Oder bilde ich mir das nur ein?  Kann trotzdem noch nicht schlafen. Grüble noch etwas, aber der Gedankenfluss wird immer zäher und stagniert irgendwann. Dann schlafe ich ein. Endlich mal wieder traumlos…

Heute fühle ich mich völlig gerädert – die Tropfen wirken wohl noch nach. Schaffe es nicht Wäsche aufzuhängen und abzuspülen… Scheiße -.-

Wie aus einem Hui-Artikel ein Pfui-Artikel wird

Es regnet und gewittert gerade – ich hab das Fenster offen, rieche den Regen und Patchouli vom Räucherstäbchen und höre Deine Lakaien. Eine richtig stimmungsvolle Atmosphäre.. schön.

Eigentlich hätte ich gestern Therapie gehabt, hatte aber derartige Bauchschmerzen, dass ich mich nur noch verkriechen wollte und deshalb daheim blieb. Die Tablette wirkte auch seltsamerweise erst, als der Termin schon verstrichen war… typisch.

Bis dahin hatte ich schon ziemlich viel gelesen und wusste nicht so recht, was ich mit dem restlichem Tag anfangen sollte und so zog es mich wieder in die alte Heimat. Also bin ich gemütlich hingefahren und hab mir Deine Lakaien angehört, ich hatte mir Montag „Indikator“ gekauft. Mich beruhigt diese Musik total und ich liebe Veljanovs Stimme und die Geigen.. und das Klavier… Ich würde soo gern Klavier spielen lernen… Aber ich denke Unterricht macht keinen Sinn, wenn man anstatt eines Klaviers nur ein Keyboard besitzt…(?)

Jedenfalls baute mich der Besuch dort ziemlich auf. Vor allem in der Gegenwart meiner Tante fühle ich mich extrem wohl, weil wir den gleichen Humor teilen und uns auch sonst auf einer Wellenlänge befinden. So zog es mich nicht mal runter, obwohl ich (freiwillig) ein paar Worte mit meinem Vater wechselte, was nicht mal nur oberflächliches Blabla war.

Wenn ich mich so mit ihm unterhalte wird er teilweise sogar wieder zu „Bapa“… aber nur kurz, denn im Hinterkopf schwebt mir immer herum, wie er sich aufführen kann und was er eigentlich für verquere Ansichten hat. Auch kann er offenbar nicht damit umgehen, dass ichs definitiv zu nichts mehr bringen werde. Es kommen immer wieder Sätze wie „Deine Zeit kommt schon noch…“ oder „Du bist ja noch jung… das wird schon noch.“ Wobei ich mir sicher bin das „meine Zeit“ definitiv niemals kommen wird und ich mir mit Borderline und Co. bereits alle Wege verbaut habe und auch irgendwie keine Besserung in Sicht ist…

Hm.. wie auch immer… Jetzt hat der Artikel irgendwie ne unschöne Wendung genommen, sollte er doch eigentlich positiv sein.