Wie auf Durchreise

Heute ist wieder mal so n Tag, an dem ich mich am liebsten im Boden vergraben, oder in die Lüfte erheben würde. Alles wäre wohl besser, als hier zu sein. Ich schnalle mir meine Wohnung auf den Rücken und verzieh mich. Weit weg.

Eigentlich wären wir, also Martin und ich, am Wochenende weiter weg, zu Freunden, gefahren. Aber das Treffen mussten wir erstmal auf Eis legen, da einer der beiden krank wurde. Einerseits hab ich mich schon darauf gefreut und andererseits bin ich froh, nicht weg zu müssen. Also sollte mir die Aussicht, das Wochenende über zu Hause zu bleiben, doch gefallen…

Tut sie aber nicht. Ich will weit weg. So weit wie nur irgend möglich. In den Süden – nach Österreich, gerne Wien, n paar kulturelle Eindrücke genießen oder noch besser in den Norden ans Meer, das ich zuletzt mit 10 Jahren gesehen habe. Alles hinter mir lassen. Vor allem das bedrückende Gefühl, das mir irgendwie die Luft abschnürt. Andere Luft einatmen, mal was anderes sehen, als immer nur das Gleiche. Einfach mal die traurige Hülle meiner selbst hier lassen und jemand anders sein. Doch das liebe Geld macht einem hier einen Strich durch die Rechnung.

Und so bleibe ich hier. In meinem Nest, in dem ich mich nicht so behaglich wie sonst fühle. Lasse ich die Fenster geschlossen, fühle ich mich eingesperrt. Sind die Fenster gekippt, so wie jetzt, fühle ich mich durch die kalte Luft aber auch nicht wohl und irgendwie ungeschützt, als wär ich nur auf der Durchreise hier.

Es ist ätzend… Ich fühl mich so unwohl -.-

Licht aufsaugen

Nachdem ich mir gestern ziemlich sicher war, dass meine schlechte Stimmung an der Medikamentenumstellung liegt, bin ich mir heute wieder sicherer, dass es doch am Wetter lag/liegt. Denn heute ist es sehr hell draußen, die Sonne scheint und es geht mir gut. Ich fühle mich emotional kräftiger und hänge nicht so teilnahmslos rum, wie in den letzten Tagen. Was bleibt mir also anderes übrig, als den Tag zu genießen, bevor ich wieder untergehe.

Außerdem ist heute alles hier angekommen, auf das ich in den letzten Tagen gewartet habe. Der schwarze Eclipse-Nagellack mit dem pinken Glitzer aus nem Blogsale, die Drachenzähmen leicht gemacht-DVD von Tauschticket (ich liebe diesen Film, denn der schwarze Drache sieht aus wie unser Luni) und das Rezensionsexemplar „Blutsuche: Annes Reise“ von Sinje Blumenstein, das ich ner anderen Buchbloggerin abgenommen habe um darüber auf meinem Buchblog zu schreiben. Das Buch nennt sich „Ein vampir-romantischer Roman“ und auf diese Art von Büchern steh ich ja insgeheim total. Nicht so im „Bis(s)“-Stil… doch in dem Stil eigentlich auch… aber die Romane die erwachsenere Charaktere haben sind mir noch lieber. Zu so nem Vampir-Liebhaber würd ich nicht nein sagen *augenroll* – dämlich, ja. Aber ich steh nunmal ziemlich auf Vampire *hüstel*… Aber das ist mein gutes Recht als Gothic-Mädchen. Jawohl. Martin wäre übrigens lieber ein Werwolf als ein Vampir – ich hab ihn schon gefragt ob er nicht mein Vampir-Lover sein kann… Und dann waren bei dem Buch noch tolle Postkarten und Lesezeichen dabei und Lesezeichen sammle ich irgendwie. Wenn man viel liest, ergibt sich das zwangsweise – man kann nie zu viele Lesezeichen haben. Wenn ihr also Lesezeichen loswerden wollt – nur her damit : ). Und Postkarten auch und Briefe auch – aber dass ich gerne Postkarten und Briefe erhalte und schreibe hab ich sicher schon mehrfach erwähnt.

Ja, ich denke man merkt an meiner Schreibweise, dass es mir heute gut geht… Wobei ich immer davor zurückschrecke „Es geht mir gut.“ zu sagen – denn ne „normale“ Person würde das sicher nicht als gut bezeichnen und dann hab ich Bedenken, dass man mir vorwerfen könnte, ich wäre -schwuppdiwupp- gesund. Aber ich denke, die meisten die hier lesen, leben ja in einer ähnlichen Welt wie ich und in dieser Welt geht es mir heute mal gut.

Wo der „Hund“ begraben liegt

Ja.. ich fürchte, ich weiß jetzt, wo der … Depri-Hund begraben liegt.

Neben dem Wetter liegt er in meinem Medikamente-Korb. Nachdem ich nämlich jeden Tag weinerlicher und antriebsloser werde, ist mir eingefallen, dass ich letzte Woche von Cipralex auf Citalopram umgestiegen bin. Das hat den Grund, dass man zu Cipralex jetzt als Patient um die 40 Euro zuzahlen muss und ich dieses Geld einfach nicht hab. Das restliche Jahr bin ich zwar von der Zuzahlung befreit, da ich schon fast 100 Euro in Arztbesuche und Medikamente gesteckt hab, also könnte ich Cipralex noch das restliche Jahr nehmen. Aber was bringt mir das, wenn ich dann in ein paar Monaten gezwungenermaßen doch umsteigen muss. Deshalb stellten wir, also Frau N. und ich, gleich um.

Mja und jetzt ist es so wie es ist. Das Grau in Grau zieht mich noch tiefer nach unten, als ich es sowieso schon bin. Svü schrieb letztens auf/in ihrem Blog, dass es in ihrer Wohnung so aussieht, wie in ihrem Inneren. Inneres Chaos führt zu äußerem Chaos. Ich erkenne mich darin wieder. Ich bin seit fast ner Woche unfähig was zu tun. Staub und Abwasch häufen sich und zum Glück erklärte sich Martin bevor er vorhin zur Arbeit ging, dazu bereit, sich morgen wenigstens um das schmutzige Geschirr zu kümmern. Wenn es in der Wohnung aussieht, fühle ich mich natürlich noch unwohler – ein Teufelskreis..

Bin zwar matt, schlafe aber übrigens trotzdem schlecht. Meine Alp- und wirren Träume sind beinahe kinoreif. Oft träume ich davon, mich mit meinem Vater zu streiten und davon, wieder bei ihm zu wohnen, aber eigentlich in meine Wohnung hier in W. zurückzuwollen. Dann wird mir bewusst, dass ich den Mietvertrag gekündigt habe und dort bleiben muss, was mich völlig fertig macht. Wenn ich nur daran denke und hier darüber schreibe, wird mir ganz schlecht. Andere Träume wiederum wirken, als hätten sie ein komplettes Drehbuch. So zum Beispiel vor ein paar Tagen ein Traum, in denen zwei kleine Mädchen und ein Mann besessen waren und ich herausfinden musste, wer nur so tat und wer wirklich betroffen war.

Eigentlich würde ich mich jetzt wieder in meine Bücher-Welt zurückziehen, aber nicht einmal darauf kann ich mich heute konzentrieren. Hunger hab ich auch nicht, sehr untypisch für mich, und ich fühle mich ehrlich gesagt einfach nur… scheußlich.

Still

Es ist düster draußen, fast herbstlich. Aber ich fühle mich irgendwie wohl – der graue Schleier hüllt mich ein wie in einen Kokon. Ich bin melancholisch. Denke an vergangene Tage, besonders viel an den schönsten Sommer meines Lebens, 2002. Ich habe den Eindruck, nie wieder solch unbeschwerte Tage zu erleben, aber freue mich darüber, dass ich sie erleben durfte und schwelge in Erinnerungen daran, die ungefragt vor meinen Augen auftauchen.

Ich lese die meiste Zeit, tauche ab in andere Welten. Es fühlt sich an, als würde mein Geist in einem großen, düsteren und kalten Herrenhaus herumwandern. Das Düstere umhüllt mich äußerlich wie innerlich. Es kommt mir vor, als würde ich nur noch in schwarz-weiß existieren – und nein, damit ist nicht mein Kleidungsstil gemeint. Eine einst strahlende Seele, an den man sich noch wage erinnert, wenn man das schwache schwarz-weiß-Abbild ansieht.

Doch die einst schillernde „Person“ ist längst weg. Wo? Keine Ahnung. Nicht auffindbar. Tot? Eher nicht, wahrscheinlich zurückgezogen und verschanzt, tief im Inneren. Auf bessere Tage wartend… Stellt sich nur die Frage, ob und wann diese kommen. Was muss passieren, damit der graue Kokon aufplatzt?

Es ist still. Von hier bis zum Rand der Welt – so still. Die Träume sind auch verstummt…

Warum bloggen

In letzter Zeit ist es hier sehr ruhig geworden. Das liegt aber nicht daran, dass es mir besonders schlecht ginge oder so. Es geht mir einigermaßen gut und ich habe aktuell einfach nicht viel zu sagen.

Ich bin momentan innerlich sehr mit mir selbst beschäftigt und es fällt mir schwer, irgendetwas nach außen zu tragen. Einerseits weil ich bestimmte Dinge mit mir selbst ausmachen will, andererseits, weil ich mir nicht sicher bin, ob andere mich überhaupt verstehen würden oder ob es sie überhaupt interessiert. Wenn man Gedanken nach außen trägt, muss man sich oft rechtfertigen und erklären und dafür habe ich irgendwie keine Kraft…

Vielleicht komm ich demnächst endlich dazu, meine nächtlichen (Alp)Träume hier in Worte zu fassen, wobei ich mir wieder unsicher bin, ob mir das etwas bringen würde.

Aber im Grunde genommen, wenn ich mal ernsthaft ehrlich zu mir bin, scheue ich mich hier weiterzuschreiben…

Wieviel sollte man mit anderen Leuten übers Internet teilen? Oder anders: Was sollte man anderen Leuten übers Internet mitteilen und zu welchem Zweck? Indem ich über mein Leben blogge, bekommen viele Menschen eine Einsicht in dieses – zumindest zum Teil. Aber wozu eigentlich? Wieso sollten sich Leute, die mich nicht einmal kennen, für mein Leben interessieren? Was können die sich da schon nützliches rausziehen? Oder dient ein Blog nur zur Unterhaltung? Mein Leben als großes Theaterstück? Meine Psyche als Darsteller? Indem ich (zuviel?) preisgebe kann ich mich leicht zur Zielscheibe für andere machen… allerdings war mir das am Anfang ja auch egal. Schwindendes Selbstbewusstsein, steigende Selbstzweifel.

Ich könnte oberflächlich bloggen… Heute hab ich soundsoviel gelesen, essen gekocht, etwas sauber gemacht… Aber das wäre sinnfrei – denn das könnte jede beliebige Person schreiben. Wenn schon bloggen, dann mit der Seele. Den Kern des Wesens zeigen (und Angriffsfläche bieten?). Die Leute wollen schließlich was interessantes lesen… Aha. Also doch. Ich möchte, dass mein Blog gelesen und als interessant befunden wird. Und weiter? Möchte ich damit, dass man MICH als Person interessant findet? Ist dies hier alles nur ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit?

Aber das könnte man ja eigentlich dann über jeden Blog sagen. Themenbezogene Blogs wie z.B. über Kosmetik oder Literatur sind vielleicht noch gerechtfertigt. Hier kann man sich schließlich Infos holen. Aber private Blogs? Die nur vom Leben einer Person handeln?

Wie denkt ihr darüber und warum bloggt ihr, falls ihr einen Blog habt?