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Nicht kompatibel mit der Gesellschaft?

Ich hab hier noch eine Thema gespeichert, über dass ich eigentlich einen Eintrag schreiben wollte. Die Überschrift lautet „Wo hört der Selbsterhaltungstrieb auf und wo fängt Egoismus an?“… aber es fällt mir derart schwer das alles auszuformulieren, dass ich es lasse und die Frage in den Raum stelle. Vielleicht kann ich mich besser ordnen, wenn ich einige Meinungen dazu gelesen habe.

Also:

Wo hört der Selbsterhaltungstrieb, bzw. der sogenannte „gesunde Egoismus“ auf und wo fängt der Assi-Egoismus an?

Ich stelle mir diese Frage nicht einfach mal so – sondern aus einem gegebenen Anlass. Ich möchte das Thema nicht auseinandertreten, da im Endeffekt ja nicht nur ich in diese Geschichte involviert bin, sondern auch eine zweite Person. Aber im Endeffekt stelle ich mir die Frage, ob ich, wenn ich meine Sozialangst für einen Augenblick überwunden habe, die „Früchte“, also den sozialen Kontakt, auch genießen darf oder ob ich mich stattdessen um andere Sozialphobiker, denen es nicht gelang Anschluss zu finden, kümmern sollte.

>> Mein „therapierter Geist“ sagt mir „Klar darfst du das genießen. Es ist schließlich ein großer Fortschritt, wenn du dich überwindest, nicht wegrennst und Erfolg hast.“
>> Und mein unsicheres, mit Vorwürfen belastetes Gewissen sagt: „Du würdest dich selbst auch Scheiße fühlen, wenn du ängstlich in der Ecke sitzen würdest und jemand, der die gleiche Krankheit hat wie du, diese stattdessen überwindet und mitten im Geschehen ist.
>> Und dann kommt dieser Teil in mir zu Wort… von dem ich nicht weiß, ob er der gesunde oder der asoziale Egoismus ist und sagt: „Du hast dich bemüht Anschluss zu finden und es hat geklappt. Das ist ein Erfolgserlebnis, das du mit gutem Recht genießen darfst. Im Endeffekt ist man selber Schuld, wenn man sich ängstlich in die Ecke zurückzieht und nicht tapfer ist, so wie du es warst.“
(>>) Aber wenn ich mich in die Lage der anderen Person versetze und mir denke, dass jemand das zu mir sagen würde, könnte ich heulen und wäre wohl supertraurig und enttäuscht. Ich würde mich allein gelassen fühlen.

Was ist denn richtig!?

Wenn ich es mir recht überlege und ganz ehrlich zu mir bin, will ich oftmals gar keine Rücksicht auf Schwächere nehmen. Ich sehe und fühle mich selbst als schwächstes Glied unter Freunden und wenn mir dann mal etwas gelingt und ich über meinen Schatten springe, möchte ich das voll und ganz auskosten. Es fällt mir am leichtesten, nur an mich zu denken und vielleicht noch an Martin, weil er einfach ein Teil von mir ist. Aber dann wars das auch schon. Denn wenn ich noch an andere denke und mich da reinversetze, fühle ich mich nach kurzer Zeit überfordert, bin sozusagen in einem Interessenkonflikt.

Im Gegenzug dazu erwarte ich aber von Freunden, dass sie meine Gefühlsregungen tolerieren. Dass sie es tolerieren, wenn ich aufgedreht bin, dass sie es tolerieren, wenn ich meine Ruhe brauche und alleine sein oder einfach schweigen möchte… und es gibt tatsächlich eine Hand voll solcher Personen, die mir diesen Luxus gönnen (Leute, ich danke euch so sehr dafür – ihr, die ich meine, wisst sicher, dass ihr gemeint seid, M., M., T., C., B.).

Leute, die ich eigentlich zu Freunden zähle, die mir dies nicht gestatten, fallen ziemlich schnell in meiner Gunst und landen unter der Kategorie „Bekannte“ oder bei Auseinandersetzungen gar bei „lieber aus dem Sinn verdrängen“. Früher hab ich mich ewig mit Leuten herumgestritten, heute fehlt mir die Kraft, der Nerv und die Muse dazu. Ich bin bei der Einstellung angekommen „Leute begleiten uns einen Teil des Weges, aber im seltensten Fall für sehr, sehr lange Zeit oder gar für immer“. Damit geht es mir etwas besser und es lindert meinen Schmerz bei dem (ja eigentlich selbst herbeigeführten) Verlust etwas.

Ich fühle mich matt… Weiß nicht so recht, ob meine Einstellung richtig ist. Was ist denn richtig? Ich meine so richtig richtig… Gibt es DIE richtige Einstellung? DEN perfekten Menschen, der ich eigentlich gern sein würde? Mein Kopf sagt „Nein, mach dir keine Sorgen„… mein Herz sagtUnd wenn doch? Dann bin ich unzureichend…was eine meiner größten Ängste ist…

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8 Kommentare zu “Nicht kompatibel mit der Gesellschaft?

  1. Huhu,

    ich denke das hängt von mehreren Faktoren ab.

    Zunächst mal, ist es natürlich wichtig, was für eine Beziehung du zu dem Menschen hast, der „ausgeschlossen in der Ecke sitzt“ um mal dein fiktives beispiel aufzunehmen.

    Wenn es irgendein Fremder ist, oder jmd, den zu kennst und nich magst, finde ich, dass du nicht in der Pflicht bist, etwas für ihn/sie zu tun. Wieso auch? Du schuldest ihm ja nichts.

    Was mich zu Punkt 2 bringt. Es komtm denke ich auch darauf an, was dieser Mensch bisher für dich getan hat. Wenn es jmd ist, der auch für dich schonmal was „nettes“ getan hat, wäre es doch angebracht, das zu vergelten, indem du für ihn/sie auch mal über deinen Schatten springst. natürlich nur, und das führt mich zu

    Punkt 3, wenn es dir selbst dabei nicht total schlecht geht. Auf jmd zuzugehen und ihn integrieren zu wollen nützt nichts, wenn du dich dabei gleichzeitig öhm.. „anti-immigrierst“, also das dazu führen würde, dass du selbst wieder ausgeschlossen wirst. Wenn es dir selbst aber nichts schadet, was spricht dagegen, das gute Gefühl, teil einer Gemeinschaft zu sein, mit jmd anderem zu teilen?
    Wieso solltest du dieses „gute Gefühl“ selbst nichtmehr auskosten können, wenn du jmd anderem hilfst? mir selbst geht es so, dass es mir, wenn ich jmd anderem heflen konnte, gut geht, den es macht mich glücklich, anderen zu helfen.

    Wie es dir da geht, weiß ich nicht.

    Lass dich nicht zu sehr ‚runterziehn. Es gibt im Leben immer nur eine sehr geringe Anzahl an Menschen, die man „wahre Freunde“ nennen kann, und das sind die, die einen genauso akzeptieren, wie man sind, tolerieren, wenn es einem nicht gut geht und versuchen zu helfen, wo sie nur können.

  2. Hey Tialda,

    ist es für dich tatsächlich ein egoistischer Zug, wenn du keine Rücksicht in solchen Momenten nimmst? Oder hast du manchmal vielleicht auch einfach nicht genügend Kraft „für zwei“?

    Grüße

    • Ja… da ist sogar was dran… Trotzdem scheint mir diese „Nach mir die Sintflut“-Einstellung falsch – auch wenn es aus mangelnder Kraft resultiert.

  3. Hey… 🙂

    Ich hab dir dazu eigentlich alles gesagt… und im Zweifelsfall sollte man dem „therapiertem Geist“ folgen…

    Ganz davon ab ist es ja nicht so als wäre es dir egal gewesen. Du hast es versucht, es hat nicht geklappt. Nicht dein Problem.

    Und das mit „nicht genügend Kraft für zwei“ scheint mir auch ein wichtiger Punkt… Erst das eigene Leben, dann das der anderen.

    🙂

    • Stimmt schon irgendwie… allerdings bin ich dann wohl nicht besonders unter die Kategorie „fürsorglicher Mensch“ einzuordnen. Und n guter Mensch ist wohl mal fürsorglich…

  4. Ein gewisses Maß an Egoismus braucht der Mensch zum leben.
    Ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass du deinen Gefühlen gefolgt bist und hast es dir auch mal „gut gehen“ lassen, was dir ja nicht immer leicht fällt.
    Immerhin gehst du zur Therapie um dort zu lernen, wie es dir besser gehen kann. ?

    Was ich allerdings enorm egoistisch finde ist es, wenn jemand (im Grunde genommen ein Freund!!) von dir erwartet, dass du deine Therapieerfolge
    (die du dir hart erarbeitest, das muss man mal betonen !!), ausser acht lässt, nur weils selber nicht so läuft.

    Freundschaft = Ich gönne dem anderen sein positves Gefühl (weil die Therpie Erfolge zeigt) , obwohl es mir grad selber nicht so toll geht.

  5. Hey hey Tialda,

    ich stöbere jetzt schon ein paar Stunden in deinem Blog rum. Finde ich toll! Du schreibst wirklich sehr bewegend, also mitreissend. Ich mache dich jetzt einfach mal zu meinem kleinen Blog-Vorbild. =) Habe heute erst angefangen zu bloggen und für mich ist das alles noch ganz neu.

    o.-
    Yuki

    • Danke 🙂 Ich freu mich sehr, dass dir mein Blog gefällt und ich fühle mich wahnsinnig geehrt ein kleines „Vorbild“ sein zu dürfen 🙂

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