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Die Kraft schwindet

Wie viel Kraft hat ein Mensch eigentlich? Und was passiert, wenn diese Kraft ausgeschöpft ist?

Ich habe ein Simpsonszitat im Kopf, nur dass ich den ursprünglichen Wortlaut „Lust zu morden“ durch „Kraft“ ersetze. „Die Kraft schwindet, schwindet, schwindet…, steigt wieder an…, schwindet… …ist weg.“

Das Thema ist im Endeffekt wieder einmal die (begrenzte) Erwerbsunfähigenrente, die ich Ende 2009 (!) beantragte. Mittlerweile ist das Ganze im Klageverfahren und wieder kam letzten Dienstag eine Absage. Die Gründe diesmal:

„Allgemein fällt auf, dass laut Gutachten Ihrerseits die Beschwerden als nicht so dramatisch geschildert wurden. So sei die Panik nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit (richtig, mittlerweile bekomme ich nur noch selten Panik in der Öffentlichkeit, sondern kann nur noch verschwommen sehen und drifte ab ins „Wunderland“). Sie würden Buchrezensionen schreiben (pro Woche maximal 2-3), Hunde ausführen (wenn es warm ist und mich okay fühle, als Therapie-Hausaufgabe) und gelegentlich Reiten (richtig – gelegentlich. Das letzte Mal vor mehr als drei Monaten.). Wenn man sich mit Freunden in Gesellschaft treffe, würden Sie auch Alkohol konsumieren, im Sommer auch Autofahren (was hat das mit Borderline/Depressionen/Angst zu tun!?). (Und jetzt kommt der Hammer) Während der Untersuchung hätten Sie zeitweise auch gelächelt (und zwar genau da, als dieser Arzt zu mir sagte, er sehe gute Chancen, dass die Rente gut geht und ich mich erleichtert dafür bedankte, dass er mir glaubt).“

Im Endeffekt wurde das wenig positive in meinem Leben hiermit zusammengekratzt und gegen mich verwendet. Den Tag über, bis Martin von der Arbeit heimkam, fühlte ich mich seltsam schwebend… und als er dann hier war, bekam ich Heulkrämpfe. Mja.. und letztendlich tat ich, als er das Zimmer kurz verließ das, was ich seit Monaten nicht mehr getan habe – mich in Form von Kopf gegen die Wand schlagen selbst verletzt. Soviel zum Thema „Sie können mindestens 6 Stunden am Tag arbeiten“…

Das Ende vom Lied waren schreckliche Kopfschmerzen und Erbrechen -> Notaufnahme ->Gehirnerschütterung -> Krankenhausaufenthalt. Kopfschmerzen hab ich immer noch leicht und die Depressionen sind seit einigen Tagen wieder allgegenwärtig. Ich habe keine Lust mehr zu kämpfen. Wenn ich kämpfe, werden mir die Erfolge sowieso gleich wieder entrissen und ich werde durch unsinnige Behauptungen zurück gestoßen, dahin wo ich herkam – auf den Boden.

Ich könnte weinen und schreien, weil ich dermaßen verzweifelt bin. Muss ich erst irgendwo hängen, bevor Behörden den Ernst der Lage erkennen? Mein Hals fühlt sich permanent zugeschnürt an und ich weiß mittlerweile, dass man den sogenannten „Stein im Magen“ wirklich körperlich fühlen kann. Alles ist angespannt und ich würde am liebsten alles herauskreischen um mich von dem Druck zu befreien. Aber ich trau mich nicht – wir haben schließlich Nachbarn und außerdem… …ich will den Wahnsinn nicht zulassen : (… Wer weiß was als nächstes kommen würde – ein „irre lachend auf die Autobahn rennen“?

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10 Kommentare zu “Die Kraft schwindet

  1. Hey,
    ich weiss gar nicht so recht was ich sagen soll.
    So ein Gutachten habe ich auch schon einmal machen müssen. Es war der Horror. Letztendlich ging es aber gut für mich aus und man sagte, ich könne maximal bis drei Stunden am Tag arbeiten, aber auch nicht jeden Tag. Arbeitsunfähig. Aber letztlich hat mir das rein gar nichts gebracht. Ich bekomme trotzdem keinen Cent.
    Ich könnte zu diesem Thema Romane füllen und möchte dir Mut zusprechen. Du bist damit nicht alleine! Es gibt immer einen Weg, egal wohin er führt. Er wird dich weiter bringen.

    Alles Liebe

    • Danke fürs Mut zusprechen… Im Endeffekt ändert sich wenig, außer dass es jetzt vor Gericht geht (aber ohne mich sondern so n Sozialdienst). Aber es geht mir halt trotzdem nah, dass ich so hingestellt werde, als würds mir gut gehn obwohl ich ständig zu kämpfen hab und so… Aber du weißt sicher wovon ich spreche.

      • Das ist in der Tat das Schlimmste. Die Leute denken man lügt. Und das begegnet einen im Alltag ja auch immer wieder mal. Und das alles bloß, weil man keinen dicken Stempel auf der Stirn hat. 😦
        Ich habe so manche Nächte deswegen geheult und mir manchmal vorgestellt, ich sei stattdessen körperlich behindert oder so. Das wünsche ich mich nicht. Und das würde es nicht besser oder einfacher machen, aber die Menschen würden immerhin sehen, dass man NICHT lügt oder sich etwas einbildet.

        Fühl‘ dich ganz lieb gedrückt.

  2. Klare Sache, Menschen, die Selbstmord begangen haben, weil sie nicht mal mehr ansatzweise ein Lächeln im Leben herausbrachten, kosten weniger:P

    Sozialstaat? Hilfe?
    Wozu Psychologen, wenn deren Erkenntnisse sowieso untergehen; WAS DENKEN DIE SICH DABEI?????????

    Pfählen sollte man die!

  3. Hallo Tialda,
    mann, das klingt ja echt Scheiße. Ich drück die Daumen, dass es bald emotional (langfristig) bergauf geht und Du nicht „irre lachend auf die Autobahn“ rennst. Hoffe, Du verlernst das Lächeln nicht ganz, trotz des ganzen Stress´ mit Behördern und Gutachtern.

    Grüße,
    Crennas

  4. Das mit den Kosten ist leider tatsächlich so. Mir hat man mal eine ambulante Therapie verweigert und als ich meinte, dass es dann auf Suizid oder stationär hinaus laufen würde meinten sie, dass sie es drauf ankommen lassen. Wenn es um Geld geht hört die Menschenliebe halt auf. Fast überall.

    War es immer der gleiche Sachbearbeiter? So Leuten wünsche ich manchmal, dass sie wenigstens für ein paar Tage so krank sind wie wir. Dass sie auch mal kämpfen müssen.

    Was das Schreien angeht. Hast du einen Wald in der Nähe? Oder eine Autobahnbrücke? Wir sind in der Klinik immer gemeinsam in den Wald gegangen und haben uns die Seele aus dem Leib geschrieen. Das hat da keinen gestört und es war so befreiend. Manchmal haben wir auch mit Steinen oder Stöcken parallel um die Wette geworfen. Wenn du keinen Wald aber eine Autobahnbrücke hast, dann nimm die. Nimm aber jemanden mit, wenn du Angst davor hast, dass du Mist bauen könntest. Auf der Brücke schreien ist genauso gut. Hört auch keiner – abgesehen von der Begleitperson. 😉

    • Nein, war nicht der gleiche Sachbearbeiter. Der erste war vom Typ „Arschloch“ und der letzte war vom Typ „netter Opa“ und dem hab ich stolz von allen Fortschritten erzählt – reingefallen.
      Das mit der Autobahnbrücke klingt nach ner guten Idee, oder Nachts im Wald (damit es richtig psycho kommt – wenn schon…) Aber im Moment gehts besser.

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