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Wieviel ist ein Mensch ohne Job wert?

Das frage ich mich immer wieder und leider kommt die Antwort in meinem Kopf dann wie aus der Pistole geschossen: Nichts!!

So oft wurde es mir in meiner Kindheit und Jugend gepredigt, dass ich es tief in mir verinnerlicht habe. Wenn ich mich früher krank fühlte und nicht zur Schule gehen konnte, wurde ich ganz genau in Augenschein genommen, ob ich denn auch wirklich krank bin und nicht doch zur Schule gehen könnte. In meinem Abschlussjahr war ich sehr oft krank – meine angeknackste Psyche äußerte sich zum ersten Mal und machte mir durch Kreislaufprobleme klar, dass etwas nicht stimmt. Wie oft durfte ich mich von meiner Familie anhören „Wie willst du denn später mal arbeiten gehen, wenn du jetzt schon ständig krank bist!? Was soll nur aus dir werden!? Geh zur Schule – du bist ja nicht sterbenskrank.“ Das Ganze darf man sich in einem recht unfreundlichen Ton vorstellen. Achja – zugleich wurde ich dann in die Abschlusszeitung als „Größte Blaumacherin“ gewählt – Außenseiter-sein olé.

Ich fand nach meiner weniger guten mittleren Reife keinen Job und weiter ging es von Seite meines Vaters: „Schreib Bewerbungen! 24 Stunden lang würde ich an deiner Stelle Bewerbungen schreiben!! Du bemühst dich nicht richtig! Du brauchst dringend eine Ausbildungsstelle! Du bist genauso faul wie deine Mutter“ – Ich schrieb mehr als 200 Bewerbungen und bekam trotzdem nichts.

Aber was ich mir dabei merkte war:
„Du MUSST Arbeit haben! Ohne Arbeit bist du faul und ein Nichts.“

3 Jahre nachdem ich die Schule verlassen hatte fand ich endlich eine Ausbildungsstelle und ich war glücklich. Endlich war ich auch etwas wert. Mein Job gefiel mir sogar im ersten Jahr sehr gut, doch es ging irgendwie bergab. Die Personalstrucktur und mein privates Leben veränderten sich, ich ging in eine Klinik, kam noch kränker zurück und musste mir letzten Endes eingestehen: Ich kann nicht mehr arbeiten. Mit der Aufmerksamkeitsspanne und Konzentration eines Goldfischs lässt sich nicht fehlerfrei arbeiten und mit einer sozialen Phobie ist es ein Problem mit Menschen zusammenzuarbeiten, von der Berufsschule ganz zu schweigen. Ich hatte in diesem Job keinen Druck (außer vielleicht dem Geläster hinter meinem Rücken) und konnte dem nicht mehr standhalten.

Ende 2009 musste ich mich zwischen Gesundheit und „etwas Wert zu sein“ entscheiden und ich entschied mich für mein Leben, das in dieser Form damals durch Klingen gefährdet war.

Stille… Ohne Atem… Stillstand… Selbstzweifel…

Aber irgendwie muss es doch weiter gehen, nicht? Ich musste mir Gedanken über das Thema „Arbeit um jeden Preis“ machen. Mittlerweile weiß ich, dass diese Ansicht der Dinge verkehrt ist. Man hat es mir falsch beigebracht.

Wer einem Beruf nicht nachgehen kann, ist nicht gleich faul oder weniger Wert. Und auch wenn mich viele für folgende Aussage verurteilen werden: Ein Job ist für mich NICHT (mehr) das Wichtigste im Leben. Wichtig ist, dass man am Leben bleibt und wichtig ist, dass man gesund und glücklich ist, aber was nicht wichtig ist, ist es anderen Recht zu machen.

Wie seht ihr das?

Für alle, die sich über diesen Eintrag furchtbar aufregen werden:
Ich spreche von mir.

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18 Kommentare zu “Wieviel ist ein Mensch ohne Job wert?

  1. Ich kann dic verstehen. Es wird Leuten immer so eingeprügelt „Arbeit ist alles“. Aber ich kann die Leute nicht verstehen, die eben faul sind und meinen die müssten nicht arbeiten, weil es zu viel Aufwand ist oder weil der Staat oder der Ehemann oder sonst wer sie auch so versorgt. Die verurteile ich. Die, die sich zu fein sind, es auch nur zu versuchen. Aber in deiner Situation (ich kenne dich natürlich nicht persönlich, abe so wie du es eben beschreibst) kann ich es verstehen, dass du es nicht kannst, und dich würde ich nicht als faul oder weniger Wert bezeichnen, auf keinen Fall. Kopf hoch, lass dir nix einreden!

  2. Ich sehe dass genauso wie Leeri und wie du bereits geschrieben hast, das wichtigste ist dass man gesund und glücklich ist. mir wurde das ganze auch immer so eingeredet und am schluss war ich überfordert und hab gar nichts mehr auf die reihe gekriegt. die gesundheit geht vor und wenns nicht geht mit arbeiten, dann muss man auch nichts erzwingen, denn das macht einen nur noch mehr kaputt. ein mensch ist nicht weniger wert nur weil er keine arbeit hat.

    nebenbei, ich mag deinen blog sehr =).

    • Danke für das liebe Kompliment, das zaubert mir glatt ein Lächeln aufs Gesicht :)… Deinen Blog kenn ich noch gar nicht – ich seh ihn mir gleich mal durch *g*.

      Und es erleichtert mich, dass Leute diese Ansicht zu Job und Gesundheit mit mir teilen.

  3. Es ist schön nicht alleine zu sein. ❤ Ich kann das was du schreibst so gut nachvollziehen. Derzeit arbeite ich auch nicht. Ich habe noch nie "gearbeitet". Scheiße fühlt sich das an und ehrlich gesagt kann ich mich nicht damit arrangieren, weil mein Umfeld so oft anderes von mir erwartet. :/
    Außerdem ist es auch ein finanzielles Problem. Mein Freund arbeitet zwar, aber es genügt nicht für uns beide, sodass meine Eltern versuchen immer mal wieder etwas beizusteuern.
    Jahrelang habe ich es gescheut deswegen zum Amt zu gehen. 2009 habe ich mich getraut… ich könnte Bände mit den Ereignissen füllen und letztlich habe ich aufgeben müssen. Ich habe bis auf das Kindergeld, was mir meine Eltern überlassen, rein gar nichts. Das macht mich total fertig.

    Alles Liebe an dich!

    • Ach Erbse, wir haben soviel gemeinsam, (leider) auch dies. Bei uns ist es auch so, dass Martin arbeiten geht und ich Kindergeld bekomme. Allerdings bekomm ich zum Glück noch n bisschen was von Ämtern dazu und ein Antrag auf vorläufige Erwerbsunfähigenrente läuft… mittlerweile seit Ende 2009. Doof, dass Geld zum leben nun mal notwendig ist.

  4. Ich kann Dich gut verstehen! Wenn man von Bekannten auf der Straße nicht mit „Guten Morgen, wie geht´s Dir?“, sondern mit „Hast Du schon einen neuen Job?“ begrüßt wird, ist der Tag schon gelaufen! Heute arbeite ich freiberuflich. Manchmal läuft es mehr schlecht als recht, aber man kommt durch und, wie Du schon sagtest: Hauptsache, gesund bleiben!

    • Das strebe ich auch an, irgendwann freiberuflich was machen zu können. Ich fürchte ich werd das wohl nicht mehr loswerden mit „ungeeignet sein für eine reguläre Arbeit“.

  5. Tialda,

    Ich war jetzt nach dem Studium auch ein Jahr arbeitslos und das war richtig schlimm. Nicht, weil ich es selbst so schlimm fand, nicht arbeiten zu können, sondern weil man von außen total unter Druck gesetzt wird, ständig gefragt wird und Ratschläge erhält und man sich dadurch selbst so unter Druck setzt und letztendlich wertlos fühlt, weil einen keiner zu wollen und zu brauchen scheint. Man fühlt sich nutzlos in der Gesellschaft, nur weil man keinen Job hat. Und andere haben einen Job, der sie aber so fertig macht, dass sie noch unglücklicher sind als man selbst. Soll es das etwa sein?
    Die meisten, deren Job ihr Leben ausfüllt, empfinden sich aber von dem Job gar nicht erfüllt.

    Das heißt nicht, dass man sich gewissenlos vom Staat aushalten lassen soll (das fühlt sich nämlich auch ganz schon bes* an), aber das Bild, das die Gesellschaft von Arbeitslosen vermittelt ist so falsch. Gibt erst Arbeit, hohes Einkommen, eine Karriere einem Menschen einen Wert? Das individuelle Glück, das keinem vorgeplanten Lebenslauf folgt, zählt einfach nicht mehr. Das ist richtig traurig und erschütternd.

    Jeder sollte das tun dürfen, was für ihn individuell richtig ist, ohne Kritik von außen (sofern er keinem damit schadet).
    Also: Höre auf dich und deine innere Stimme. Tu das, was dir gut tut. Und wenn du erst mit und an dir arbeiten musst, bevor du für andere arbeiten kannst, dann ist das das Richtige. Punkt.

    LG, Lena

    • Ihr seid alle echt toll, ich freu mich über den regen Austausch.

      Und du hast recht Lena, man nehme nur mal zum Beispiel, wenn man Single ist und jemanden versucht kennenzulernen. Da ist eine der ersten Fragen: „Und? Was machst/arbeitest du?“… Es spielt in unserer Gesellschaft eine (zu) große Rolle – der du BIST dein Job.
      Man sollte dringend umdenken, denn wie du schon gesagt hast, sind viele durch ihren Job extrem unglücklich…

    • Naja… rein theoretisch steht es jedem frei das zu tun, denn niemand wird von irgendjemandem GEZWUNGEN das zu tun. Jeder Mensch kann seine eigene Entscheidung treffen. Dabei sage ich nicht, dass es keine Konsequenzen gibt – aus jedem Handeln ergibt sich ja irgendeine Konsequenz.

  6. Ich habe auch noch nie gearbeitet. Natürlich finde ich das nicht schön. Schöner ist es auf eigenen Beinen zu stehen. Definitiv. Aber es geht nun mal nicht. Und es wird auch eine Weile noch nicht voll gehen. Aber zur Klausur gegangen zu sein ist ein Anfang 🙂

    Ich hab einen „netten“ regelmäßigen Kommentator, der mich in gewissen Abständen immer wieder als „Schmarotzer“ , „Nichts“, und „Asozial“ bezeichnet. Natürlich trifft es irgendwie. Aber wahrscheinlich bin ich mehr wert als er 😉

    Meine Mutter freut sich über Fortschritte und hofft insgeheim natürlich, dass es jetzt endlich weiter geht. Mit meinem Vater habe ich seit 2 Monaten keinen Kontakt mehr. Nicht zuletzt auch wegen seinen – in meinen Augen – unmenschlichen Erwartungen und Anforderungen an mich und meinen Gesundheitszustand. Am besten ich schnippe mit den Fingern und alles ist super. Und wenn ich schon nicht selbst arbeite – in einem hoch angesehenem Job der viel Geld bringt – dann soll ich mir doch wenigstens einen reichen Kerl angeln. Aber das kann ich natürlich so wie ich aussehe – fett und alternativ-düster – vergessen. 😉

    Sich von der – unangemessenen – Erwartungshaltung der Familie und des Umfelds zu trennen ist einer der wichtigsten Schritte um überhaupt gesund werden zu können.

    • Sich von alten (eingeredeten) Erwartungen zu trennen ist ein großer Schritt in Richtung zufriedenheit… Auch wenns verdammt schwer ist, das wieder ausm Kopf raus zu bringen…

      Ich finds toll, dass du zur Klausur gegangen bist!!

  7. Der Eintrag isz zwar schon fast ein Jahr alt aber ich muss trotzdem etwas zu schreiben.
    Ich studiere jetzt im 6. Semester, hänge etwas hinterher (1 Semester). Der ständige Druck von Außen macht mich total fertig… bloß nicht über die Regelstudienzeit kommen… und, oh Gott, meine Eltern finanzieren mich momentan. Das ist Glück und Pech gleichermaßen: Ich bekomme durch den Verdienst meiner Eltern kein Bafög und werde schief angeguckt, weil ich mich „aushalten“ lasse. Ja, ich war auch während der ersten Semester mal arbeiten aber dann kam irgendwann ein tiefes Loch, dass mir immer noch Kraft raubt aber ständig bekomme ich abfällige Reaktionen weil ich ja keinen Nebenjob ausübe Mein Selbstbewusstsein ist momentan sehr weit unten angesiedelt…

    • Der Eintrag ist zwar fast ein Jahr alt, ja, aber ich denke, dass dieses Thema leider immer sehr aktuell bleiben wird.
      Ich kann das gut verstehen, dass du dich schlecht fühlst, weil du einen Eltern, mal ganz böse ausgedrückt, auf der Tasche liegst. Aber das musst du wirklich nicht. Du studierst… das ist eine echt tolle Leistung!! Weißt du, es gibt so viele Leute die garnichts machen – wie ich z.B. -.-… Mach dich nicht schlechter als du bist, auch wenn der Spruch von mir wahrscheinlich nicht besonders glaubwürdig erscheint, weil ich selbst meisterhaft im „mich nieder machen“ bin…

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