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Projekt „Gothic Friday“ – Januar: Wie bist du in die Szene gekommen?

„Gothic Friday“ ist ein Projekt das von den beiden Bloggern Spontis und Shan Dark ins Leben gerufen wurde. Dabei wird es jeweils am ersten Freitag des Monats eine Frage (die in den Szenebereich geht) gestellt, zu der dann jeder, der möchte, einen Beitrag verfassen kann. Außerdem gibt es auch halbjährlich was zu gewinnen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnt ihr das hier nachlesen.

Die Frage im Januar lautet:
Wie bist du in die Szene gekommen?

Ich bin keine Person, die schon schwarzgewandet zur Welt kam, wie das ja manche „Mit-Szene-Mitglieder“ gerne von sich darstellen und ich bin auch (aufgrund meines Alters ; )) definitiv nicht von Anfang an dabei, aber trotzdem fühle ich mich, als wäre ich nie anders gewesen als ich es jetzt bin.

Und doch wäre es für mich wohl mit 14, 15 Jahren noch undenkbar gewesen, jemals wie „ein Gothic, ein Satanist – das ist ja alles das Gleiche“ auszusehen. Damals ging ich mit einem Mädchen in die Klasse, bei der man beobachten konnte, wie sie immer mehr „anders“ wurde. Naja gut.. was heißt beobachten – sie hat keinen großen Hehl draus gemacht und immer wieder mit außergewöhnlichen Outfits und Make Up schockiert. Das ist so das erste woran ich mich in Bezug auf die schwarze Szene erinnern kann. (Achja, vor einigen Jahren hab ich übrigens von einer ehemaligen Klassenkameradin gehört, sie wäre „nicht mehr schwarz“, wie sie es ausdrückte.)

Musiktechnisch betrachtet, hab ich damals alles mal mitgenommen. Ne Zeit lang hörte ich Trance/Techno, dann Hip Hop und irgendwann vermehrt Die Ärzte, Böhse Onkelz (örks -.-) und Evanescence, soweit ich mich noch daran erinnern kann.

Da war ich dann 17, wohnte schon ein Jahr lang nicht mehr zuhause und die ganze Situation wurde immer katastrophaler. Streß mit meinem Ex-Freund (und somit der einzigen Person, die ich in dieser neuen fremden Stadt kannte), bei dem ich aber immer noch wohnte, da ich ja unter 18 keine Wohnung mieten konnte, kein Geld gehabt hätte und unter keinen Umständen ins schwierige Elternhaus zurück wollte. Dazu noch immer stärker auftretende psychische Probleme…

Es war ne Zeit in der sich alles veränderte und dann lernte ich diesen Kerl übers Internet kennen, der irgendwas mit „angel“ im Nick hieß – und so sah er auch aus (zumindest fand ich das damals *hüstel*). Schwarz gekleidet, schwarzes kinnlanges Haar und (das seh ich heute:) nem dreckigem Grinsen im Gesicht. Er machte mir tausend Komplimente und ich war absolut hingerissen von ihm – und meinte er, er wäre immer Freitags im W***, ner Discothek in der Stadt, die damals Freitags „Rock-Abend“ hatte. Völlig verträumt zeigte ich meinem Ex das Foto und erzählte ihm das mit der „Mehr-oder-weniger-Einladung“ und er sagte nur verächtlich: „Freitags W***… da sind nur Psychopaten und Verrückte… und so sieht der Typ auch aus.“

Ich konnte ihn trotzdem überreden mit zwei anderen aus seinem Freundeskreis und mir dort hinzugehen und so standen wir dort also in einer dunklen Ecke – ich weiß noch genau, dass ich ne helle Jeans trug und ein schwarzes Oberteil – mein Ex trug n weißes T-Shirt und leutete im Neonlicht wie eine Discokugel (: D). Und an noch etwas erinnere ich mich als wärs gestern gewesen: Ich liebte diese Musik…

Mja und so begann das dann. Innerhalb von sagen wir mal… 3 Monaten tauschten sich meine Klamotten wie von selbst gegen Schwarze (So schwer war das nicht – ich trug schon vorher hauptsächlich schwarze Oberteile), ich kaufte mir meine erste Corsage, meinen ersten langen Rock, trug alte Bundeswehrstiefel (die elend bequem waren), schwarzer Nagellack und natürlich die Musik.

Eins der ersten Lieder an die ich mich klar erinnere, ist „Kleid aus Rosen“ von Subway to Sally. Außerdem hab ich ständig irgendn Lied von Mudvayne gehört… Erst war das mit Außnahme von Subway to Sally eher so die Nu Metal-Schiene, die mir zusagte. Dann hab ich mir n Album von Lacrimosa gekauft, das ich schrecklich fand und immer noch finde und die Aura-CD von Samsas Traum, die natürlich ein Meisterwerk ist ; ).

Meine Schminke war in der ersten Zeit sowas von „evil“ (dachte ich). Ich ging regelmäßig mit Corpsepaint aus dem Haus oder zumindest laaaaangen schwarzen „Tränen“ die Kajal bis auf mundhöhe in mein Gesicht zauberte. Drunter natürlich weißer Puder – und davon viel. Achja und Patchouli durfte natürlich auch nicht fehlen *g*. Irgendwie peinlich und demütigend auf das Ganze zurückzublicken – aber man erkennt „Neueinsteiger“ auch heute noch auf diese Art und Weise *g*… Man muss sich wohl irgendwie was beweisen, keine Ahnung.

Seit diesem Anfang 6 Jahre vergangen und ich habe mich mittlerweile in die Richtung „Schwarzromantiker“ gewandelt. Ich liebe voluminöse Röcke, Korsetts und den ganzen „Edel-Kitsch“. Metal hör ich kaum noch, dafür ist aber (neo-)klassische Musik dazugekomen. Ansonsten hab ich aber einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Ich finde, jedes Musikgenre der schwarzen Szene hat so seine Schätze. Ganz besonders mag ich zur Zeit Diary of Dreams und ASP… und eigentlich auch Unheilig, wobei mich deren Werdegang nicht so ganz glücklich macht aktuell, was aber ein Thema für sich wäre.

Mja… damit lass ich den Text mal ausklingen – durch diese Frage, wie ich in die Szene kam, hab ich aber erkannt, dass das Thema „Ich, Gothic“ größer ist als ich erwartet hätte… Vielleicht kommt mir das bei den nächsten „Gothic-Fridays“ zu Gute : ).

Mein Einstiegslied (das Video bleibe dabei bitte unbeachtet):

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18 Kommentare zu “Projekt „Gothic Friday“ – Januar: Wie bist du in die Szene gekommen?

  1. Da habe ich doch wieder etwas dazugelernt. Ich wusste bis gerade eben nicht, was Corpsepaint bedeutet. 😉 Sehr interessant dieser erste Gedanke im Bezug auf die Szene mit „Gothic =Satanist“.

    Dieses Thema gab es bei uns damals in den 80ern gar nicht. Selbst der Begriff war mir damals nicht bekannt. Lustig fand ich den Einwurf mit der Klassenkameradin. „Ich bin nicht mehr schwarz“. Das zeigt recht deutlich, dass sich spätere Generationen aus fertigen Szenen eine rauspicken und die Szene bei Bedarf wechseln wie die Kleidung. Nicht alle natürlich, aber viele…

    Persönlichkeit und Szene können ja auch nicht gemeinsam (er)wachsen, weil zumindest die Szene schon fertig zum Konsum bereitsteht. Die Verflechtung zwischen Szene und Persönlichkeit ist entweder gar nicht vorhanden oder aber weniger eng als früher. Kein Vorwurf, nur eine Feststellung.

    Ein sehr interessanter Einblick und Subway to Sally sind natürlich großartig. Die Rosen fand ich auch immer toll. 🙂

  2. Tja, wer kommt schon „schwarzgewandet“ zur Welt?? Aber Du hast recht – manche wollen einem das wirklich glauben machen. Bei einigen dauert die Entwicklung dahin über Jahre – bei dir ging es etwas schneller mit 3 Monaten und dann gleich das „volle Programm“ 😉 – bist ja richtig durchgestartet! Aber ich finds gut.

    Mit dem Mega-Evil-Make-up könntest Du recht haben, denn ich kenne auch jemanden, der jetzt in etwa Mitte 20 ist. Er hat sich – als er vor einigen Jahren in die Szene gekommen ist – anfangs auch immer ein Evilface aufgeschminkt.

    Prinzipiell finde ich ein gutes Goth-Make-up toll, aber es sollte zum Typ/Stil passen und nicht aufgesetzt wirken.

    Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Du bei den nächsten Gothic Fridays noch mehr in Dir entdeckst und entwickelst, was Du rauslassen kannst. Indem ich meinen Szeneeintritt so Revue passieren ließ, kamen mir auch so einige Zusammenhänge und Einflüsse in den Sinn, die ich fast vergessen hatte.

  3. Es ist faszinierend diese Geschichte zu lesen. So unterschiedlich auch die Wege jedes einzelnen waren, die in die Szene führten. Eines scheinen sie doch immer gemeinsam zu haben: Das Tor der Musik. Den vermeintlich einzigen Lockstoff. Egal zu welcher Zeit und egal zu welcher Situation.

    […]Achja, vor einigen Jahren hab ich übrigens von einer ehemaligen Klassenkameradin gehört, sie wäre „nicht mehr schwarz“, wie sie es ausdrückte.[…]

    Dieses kann ich ebensowenig nachvollziehen. Auch wenn man sich vom aktiven, aktuellen Szeneleben distanziert, was aufgrund des Wandels ja vorkommen kann, so bleibt doch die Mentalität erhalten. Das gewisse Etwas im Seelenleben, das einen überhaupt erst in die Szene brachte. So etwas kann man nicht einfach ablegen, wenn man es wirklich gelebt hat. Somit kann man zu solchen Wochenendgoths nur den versnobten aber treffenden Satz sagen: Diese sind nicht »nicht mehr schwarz«, sondern waren es nie gewesen.

    […]und die Aura-CD von Samsas Traum, die natürlich ein Meisterwerk ist[…]

    Dahingehend besitzen einige Titel eine wirklich interessante Art der Selbstreflektion. Doch ich war ehrlich gesagt von dieser Sentimentalität verblüfft, die sich durch die gesamte Geschichte zog. Das hatte ich diesem Hassisten gar nicht zugetraut. 😉 Für mich ist und bleibt die Tineoidea der Zenit von dessen Schaffen. Ein so intensives und geradezu kafkaeskes Gesamtkunstwerk sucht auch außerhalb von Samsas Traum seines gleichen.

  4. Ok auch auf die Gefahr hin daß das jetzt eine dumme Frage ist,aber was ist „Corpsepaint“?

    Liebe Grüße,Jaqueline.

  5. Ich glaub ich hab noch ein Bild davon 🙂

    …… und ich als Mama hab die anfängliche Entwicklung mit Schrecken zum Teil hautnah mitbekommen. Ich muss auch zugeben, bis dahin hatte ich absolut keine Ahnung was diese Richtung überhaupt bedeutet usw.
    Heute akzeptiere und respektiere ich es voll und ganz. Nach reichlicher Aufklärung meiner Tochter und eigener Recherche sehe ich alles mit ganz anderen Augen.
    Was die Musik betrifft ist zwar vieles nicht mein Geschmack, aber ich muss sagen, das eine oder andere lässt sich gut hören.
    Zu meiner Zeit ( ….. oh, ich hör meine eigene Mutter reden) gabs das ja nicht.

    hdl Mama

  6. Danke für den Link.Das erinnert mich an diese Musikgruppe….
    Kiss,oder so ähnlich? Zumindest mein ich daß die auch so geschminkt waren…. Naja wo ich schon beim Nachfragen war:
    Was unterscheidet Einen denn von den Anderen wenn man dieser „Richtung“ angehört? Also mal abgesehen von den sichtbaren Dingen wie sich zu kleiden usw.. Fühlt man so anders? Was hat man dann für eine Lebenseinstellung? Mich interessiert das wirklich.Bin an ernstgemeinten Antworten interessiert.

    • Wenn du willst, kannst du mir mal ne kleine „Fragenansammlung“ auf meine E-Mail Adresse schicken ;), dann versuch ich sie zu beantworten – das wäre wohl für eine Kommentar-Antwort zu umfassend..

  7. Ein wirklich gelungener Einstieg, der trotz einiger Stolperstein in deinem privaten Umfeld wohl zum Ziel geführt hat. Ich glaube, das die Entwicklung im Umfeld ebenfalls für den Einstieg, Ausstieg oder Vertiefung „verantwortlich“ gemacht werden können. In deinem Fall ist wohl „Angel“ der schuldige 🙂

    Ganz spannend finde ich das Kommentar deiner Mama, die mit einem Foto von Dir in gruseliger Schminke noch den Beweis schuldig bleibt *g*

    Ich danke Dir auf jeden Fall für Deinen Beitrag der sich äußerst harmonisch in die Reihe der Einstiege einreiht. Individuell, einzigartig, ungewöhnlich.

    • Ich weiß welches Foto meine Mutter meint – sie hatte es sogar damals auf dem Fernseher stehen (Respekt nochmal *g*) und ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, es in diesem Beitrag zu zeigen. Aber ich lasse es nun doch lieber draußen… es ist mir einfach zu unangenehm *g* 😉

  8. Interessant, dass ich auch bei dir (dem vierten Artikel, den ich dazu jetzt lese) Parallelen zu mir selbst finde… Auch ich bin recht spät so wirklich dazu gekommen und bin zu jung, als dass ich sowas wie „Ich war schon immer schwarz“ behaupten könnte ohne mich lächerlich zu machen – aber warum sollte man da auch nicht ehrlich sein?
    Dass einzelne Episoden meiner Kindheit da vielleicht ein paar Weichen gestellt haben ist da wieder ein anderes Thema…

    Jedenfalls waren es auch bei mir Subway to Sally, die mich wirklich auf die Spur der schwarzen Szene brachten wenngleich ich sie heute kaum noch als Schwarz empfinde (nicht weil sie sich nennenswert geändert hätten, sondern mehr, weil meine Ansichten sich geändert haben).

    Auch sind wir etwa seit der gleichen Zeit so wirklich dabei und haben beide unsere schwarzromantische Ader entdeckt – sehr schön ^^
    Ich ziehe also meinen virtuellen Hut… ähm… Dreispitz… oder so 🙂

  9. Pingback: Gothic Friday – Das Januar Resümee – Spontis Weblog

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