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Veronika beschloss zu sterben – ich begleitete sie dabei…

… und zwar schon mehrmals. Ich habe das Buch „Veronika beschließt zu sterben“ von Paulo Coelho schon zweimal gelesen, aber da war ich noch „gesund“ oder besser gesagt gesünder, jünger, meine Ansichten waren anders als jetzt. Heute habe ich mir den auf dem Buch basierenden, gleichnamigen Film angesehen… Ich liebe das Buch schon, aber der Film spricht mich noch mehr an, da ich mich damit identifizieren kann.

„In unserer Gesellschaft glauben wir, dass wir glücklich sein müssen. Wenn nicht, fühlen wir uns hoffnunglos, als Versager.“

Veronika ist derart verbittert über die Welt, dass sie beschließt sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. Es klappt zunächst, ihr Herz bleibt stehen, doch sie wird gefunden, verbringt zwei Wochen im Koma auf der Intensivstation und wird danach in die psychiatrische Anstalt Vilette eingeliefert. Dort eröffnet ihr der Arzt, dass sich bei ihrem Suizidversuch ein inoperables Aneurysma an ihrem Herz gebildet hat und sie nur noch wenige Wochen zu Leben hat. Im Anstaltsalltag lernt sie Edward kennen, der seit Jahren kein Wort mehr gesprochen hat, und das Leben, das ihr noch bleibt zu schätzen. Ihr fallen plötzlich viele Dinge ein, die sie eigentlich unbedingt noch machen möchte, bevor sie stirbt aber der Arzt möchte sie nicht entlassen. Mja… und dann verlieben Edward und sie sich ineinander, er fängt an zu sprechen und die beiden hauen aus der Anstalt ab um ganz gewöhnliche Dinge zu tun wie Zug zu fahren, Sex zu haben und tanzen zu gehen und als es schon nachts ist, warten sie auf den Sonnenaufgang.

Zitat des Arztes: „In ein paar Tagen wollte ich Veronika mitteilen dass unsere Injektionen ihr Herzleiden geheilt haben. Doch angesichts ihrer unerwarteten Abreise aus Vilette ist diese spezielle Lüge nicht mehr nötig . Die meisten Selbstmörder versuchen es immer wieder… bis sie am Ende Erfolg haben. Deshalb habe ich es riskiert, sie über ihren Zustand anzulügen. Ich wollte das einzige Mittel ausprobieren, an das ich überhaupt noch glaube: Sich des Lebens bewusst zu werden. Bis sie von einem anderen Arzt erfährt, dass sie vollkommen gesund ist, wird sie jeden Tag als ein Wunder ansehen.. was aus meiner Sicht auch stimmt.“

Die Geschichte hat ein Happy End… Aus dem Buch/Film geht hervor, dass uns die Zwänge des Alltags unglücklich/depressiv machen können und man ausbrechen soll und es auf eine Art und Weise gut ist „verrückt“ zu sein…

Ich wünschte ich wäre an ihrer Stelle… Denn mir geht es wie ihr. Ich habe Angst vor der offensichtlich vorgegebenen Zukunft. Ich werde heiraten, wohl wegen der Medikamente erstmal keine Kinder bekommen, wegen meiner Sozialphobie einsame Hausfrau sein – mit eingefahrenen Lebensmustern bis hin zur an Gewöhnung und Langeweile zugrunde gehender Sexualität. Sozusagen habe ich mein Leben schon gelebt – denn an diesem Punkt stehe ich jetzt schon so gut wie.

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9 Kommentare zu “Veronika beschloss zu sterben – ich begleitete sie dabei…

  1. Du kannst dir gar nicht vorstellen,wie gut ich dir das nachempfinden kann…. meine Situation ist deiner so ähnlich.
    Es tat richtig weh den Blogeintrag zu lesen.Ich fühle das genauso.Hätte aber nicht gedacht daß es mich so umhaut es ausgeschrieben irgendwo zu lesen.
    Ich bin verheiratet,bin Hausfrau,habe ein Kind,und mein Mann fängt an sich von mir zu entfernen,genauso wie es damals meine Freunde getan haben,so lange bis ich keine mehr hatte.
    Und dann bin ich einfach nur noch so wütend auf mich selbst,weil ich mich frage,warum ich nicht etwas mehr wie die Anderen sein kann,damit ich auch mal ein wenig glücklich bin und Freunde habe….. und damit mein Mann mich wieder mag,oder so.naja. 😦

  2. Mal eine Frage in die Runde: Wie ist das denn bei euch mit dem Freundeskreis??? als das bei mir mit meinen „Einschränkungen“ anfing,sind nach und nach alle Freunde weggefallen.denen war ich dann zu kompliziert und so weiter.war das bei euch ähnlich? oder haben die Freunde gewechselt,sind neue für die alten gekommen?
    Weil ich fühl mich irgendwie total grauenhaft….. so als wär ich der schlimmste Mensch auf Erden,mit dem man es nicht aushalten kann,oder so…
    Liebe Grüße.

    • Hallo Jaqueline,

      zu der Zeit als es bei mir den Höhepunkt erreicht hatte, war ich noch Schülerin und mein Freundeskreis bestand zu 90% aus einigen Klassenkameraden. Als ich immer seltener zur Schule kam, dafür aber fast jedes Wochenende auf irgendwelchen Partys verbrachte um mich buchstäblich volllaufen zu lassen, haben sie sich nach und nach von mir abgewandt. Sie konnten es nicht verstehen, aber das mache ich ihnen nicht zum Vorwurf, ich konnte mich schließlich damals auch noch nicht so richtig verstehen.
      Als die Schule kein Thema mehr war, hatte ich vereinzelt ein paar Freunde, ich wusste ich konnte auf sie bauen… hab‘ ich aber nie. Und das war für die Leute dann etwas schwierig. Mittlerweile bin ich aber umgezogen und habe von vorne anfangen können. Die Freunde die ich jetzt habe, verstehen mich zwar nicht immer, nehmen mich aber so wie ich bin. Ich habe allerdings auch von Anfang an mit offenen Karten gespielt.
      Das musste ich, weil ich Angst hatte wieder viel Lügen zu müssen, wenn man mich fragt „Wieso weshalb warum?“ etc. – So ist einfach alles klar.

      Gruß
      Erbse

    • Ja genau, meine Geschichte ist da ähnlich wie Erbses. Die Schulfreunde fielen weg, nachdem es mit Schule vorbei war, dann kamen „Feierngeh-Freunde“ und als sich zu Borderline dann noch Angst gesellte fielen auch diese weg. Dafür hab ich durch nen Zufall zwei neue Freunde dazugewonnen, denen gegenüber ich von Anfang an offen war und die haben da auch kein Problem mit, wenn ich kurzfristig n Treffen absag, ne Mini-Party auflös oder mich mal ne zeitlang nicht melde. Mja und dann hab ich noch meinen besten Freund, den ich seit 6 Jahren einen solchen nennen darf. Der hat auch immer für alles Verständnis, weil er meinen „Werdegang“ live miterlebt hat. Macht 3 Leute, die ich als sehr gute Freunde zähle und auf die ich mich zu 100% verlassen kann. Ich glaube mehr Freunde würden mich sogar überfordern, weil damit wieder Pflichten entstehen würden wie „sich melden müssen“ und „Freundschaft pflegen“ und ja… wie gesagt – das überfordert mich tierisch.

  3. Bei mir war es so daß es erst nach der Schulzeit richtig schlimm wurde,mit Depressionen und Ängsten vor dem Rausgehen.Der Einzige der da immer Verständnis für hatte war mein jetziger Mann.Aber mittlerweile überfordert ihn das,so kommt es mir vor.Ich werfe ihm das nicht vor,versteht mich da nicht falsch.Aber es versetzt mich in Panik und Unruhe.Ich wäre ja auch gerne unkomplizierter und fröhlicher usw..Aber wie soll man das denn so schnell in den Griff kriegen und ändern können???

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