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Ernährung und Schuldgefühle

Heute ist irgendwie mal wieder so ein richtig blöder Sonntag und wie könnte ich ihn besser nutzen, als mir Gedanken über meine Ernährung zu machen und in Schuldgefühlen zu versinken.

Das Thema hat sich schon einmal vor zwei Monaten über Tage in meinem Kopf breit gemacht – Fleisch essen. Ich bin mir darüber im Klaren, wie sehr Tiere in vielen Betrieben leiden müssen und gequält werden, dass sie für viele Züchter nur Ware sind – kein Lebewesen das fühlen kann wie du und ich. Ich habe mich darüber informiert und mein „heile-Welt-Fleisch-kommt-von-glücklichen-Tieren-Bild“ wurde endgültig zerschlagen… naja tief im Inneren, war es mir vorher wohl auch klar, dass das so nicht laufen kann – es geht, um es mal ganz krass auszudrücken, um Mord.

Und so beschloss ich vor einem Monat letztendlich kein Fleisch mehr zu essen. Doch das war nicht so leicht wie ich mir das vorstellte. Es ist ein Problem, wenn man sich zu viele Gedanken macht. Wenn ich kein Fleisch mehr esse, gehört in meinen Augen auch Fisch dazu. Schließlich sind Fische auch Lebewesen… und wenn ich kein Fleisch mehr esse, weil ich nicht möchte, dass Tiere ausgebeutet werden, dann wäre Vegetarismus nur halbherzig und ich sollte eigentlich überhaupt keine tierischen Produkte mehr essen…

Mja… nach zwei Wochen brach ich das Vegetarier-Experiment wütend ab. Ich hatte so unendlichen Brand auf Hähnchen, auf Spagetti Bolognese (das mit Tofu einfach nicht so schmeckte, wie mein Lieblingsessen schmeckt), auf Lasagne, auf Pizza mit Schinken. Am liebsten hätte ich alles auf einmal gegessen -.-.

Da ich ohnehin große Probleme mit meiner Ernährung habe, wurde mir bewusst „Scheiße, du Idiot schaffst es nicht vegetarisch, geschweige denn vegan zu leben. Dein Wille ist nicht groß genug!“ Und dafür schäme ich mich unendlich vor mir selbst und noch mehr vor Leuten, deren Wille so groß ist, dass sie es schaffen sich mindestens fleischlos zu ernähren… Es ist nicht so, dass ich mir jeden Tag nen riesen Fleischberg reinschaufel, ich esse maximal zwei bis drei Mal die Woche Fleisch/Wurst, aber ich denke es macht keinen Unterschied ob man jeden Tag oder nur wenige Male die Woche das Zeug isst. Tatsache ist, DASS man es isst.

In den letzten Wochen hab ichs dann mehr oder weniger verdrängt und dachte mir „Du hilfst beim Tierschutz, so gut du kannst – mit der Hilfe im Tierheim oder indem du Krissy ein paar Ratten abnimmst..“ aber dann bin ich vorhin wieder über eines dieser Videos gestoßen, mir ist nur noch schlecht und die Schuldgefühle wachsen wieder. Ich steigere mich furchtbar rein, werde wohl ein paar Tage wieder kein Fleisch mehr essen und dann wieder aufgeben, weil ich nicht genug Kraft dazu habe mich mit der Ernährung tiefer zu beschäftigen.

Letzte Woche hab ich nicht auf die Diät geachtet, schon sind wieder 2 Kilo mehr drauf… Mein Magen knurrt und ich würde am liebsten überhaupt nichts mehr essen… Ich hasse es, dass Ernährung nötig ist und in meinem Kopf eine Rolle spielt / bzw. spielen muss, da ich sonst wohl jeden Tag zunehmen würde. Ich hasse es, mir Gedanken zu machen… vielleicht klingt es eingebildet, aber ich wage es trotzdem zu schreiben: Ich hasse es nicht dumm zu sein… Ich glaube Dummheit und Ignoranz sind ein Segen.

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8 Kommentare zu “Ernährung und Schuldgefühle

  1. Mit diesem Thema habe ich mich in letzter Zeit auch oft beschäftigt, da ich in letzter Zeit oft mit Vegetariern in Berührung komme ._.
    Ganz ehrlich, ich verschließe beide Augen vor der Realität…
    Wenn ich darüber nachdenke, dass ein Leben beendet wird, um Nahrung zu haben, die wir ja eigentlich gar nicht nötig haben, dann bekomme ich auch keinen Bissen mehr runter, aber es dauert nicht lange und ich bekomme ebenfalls Heißhunger…Ich weiß gar nicht, was ich essen soll, wenn Fleisch wegfällt o.O Ich mag nicht sonderlich viel. Wenn dann auch noch Milchprodukte usw. wegfallen, denn da geb ich dir vollkommen Recht. Vegan wäre dann die richtige Ernährung, sonst bleibt es bei der Ausbeute der Tiere, was soll ich dann noch essen?!Egal wohin man geht, heute alleine esse ich bei meinen Eltern. Da gibt es immer Fleisch.
    Manchmal wiederum denke ich, dass es sowieso nie dazu kommen wird, dass die ganze Welt mitzieht und daher will ich ja auch nicht, dass die Tiere umsonst gestorben sind, klingt voll dumm xD
    mhmm find es extrem schwierig…

  2. Hallo Tialda,

    ich kann deine Gefühle nachvollziehen. Ich war zwar schon viele Jahre bevor ich vegan wurde Vegetarierin, aber der Schritt zur veganen Lebensweise war für mich auch sehr schwer. Die Entscheidung dahinter ist schließlich schon ein größerer Eingriff. Viele Monate bevor ich mich offiziell „vegan“ nannte, habe ich mit mir gekämpft. Ich kannte diesen Widerspruch als Vegetarier sehr gut und es machte mich regelrecht fertig, dass ich trotzdem Käse nicht widerstehen konnte etc. – Aber irgendwann hats dann Klick gemacht. Es war zu einer Zeit wo ich wirklich alles verschlungen habe, was auch nur ansatzweise mit Veganismus zutun hat. Und ich habe damals viel von der „Veganes Auge“-Bloggerin gelernt. Sie nahm mir die Angst.
    Und mittlerweile „merke“ ich gar nicht mehr, dass irgendetwas anders ist. Bis auf die Tatsache, dass ich mich besser fühle. 🙂 Veganismus ist für mich zum Alltag geworden, ich muss nicht mehr großartig nachdenken und Heißhunger habe ich überhaupt nicht auf nicht-vegane Produkte. Das liegt an zwei Gründen… ich muss einfach auf nichts verzichten, weil es für fast alles ähnliche oder gleichwertige vegane Produkte gibt und ich habe vor einigen Monaten einen Ekel gegen Milch- und Eiprodukte entwickelt. Ganz von alleine. Das ist überaus hilfreich. 🙂

    Mach‘ dich selbst nicht fertig. Alles braucht seine Zeit und irgendwann macht es vielleicht auch bei dir „Klick!“.

    Falls du jemals irgendwelche Fragen zu irgendetwas diesbezüglich hast, möchte ich gerne für dich zur Verfügung stehen. 🙂

    Alles Liebe
    Erbse

    • Da bin ich fast n bisschen neidisch, dass du da schon so richtig drin bist… Ich hab den Eindruck, dass ich das psychisch irgendwie nicht schaffe…

  3. „Es ist nicht so, dass ich mir jeden Tag nen riesen Fleischberg reinschaufel, ich esse maximal zwei bis drei Mal die Woche Fleisch/Wurst, aber ich denke es macht keinen Unterschied ob man jeden Tag oder nur wenige Male die Woche das Zeug isst. Tatsache ist, DASS man es isst.“

    Tanja, da liegst du falsch. Auch das Reduzieren von Fleischgenuss ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich hab das alles auch in kleine Schritten gemacht:
    Mit ca 10 hab ich aufgehört, Tiere zu essen, die ich“ niedlich“ fand, oder als Haustiere hatte: Wild, Hasen, Pferde (ich glaub, Pferdefleisch hab ich noch nie gegessen^^)
    Mit 16 hab ich aufgehört, Schweinefleisch zu essen.
    Mit 18 hab ich dann versucht, auf alles zu verzichten, was kein Geflügel ist.
    Ein paar Monate später dachte ich: Auch Geflügel sind Lebewesen.
    Und noch ein paar Monate später: Auch Fische sind Tiere.

    Und jetzt bin ich an genau dem Punkt wo du bist: Mir fehlt die Willenskraft noch weiter zu gehen. iIh weiß, Veganismus wäre das beste. Aber wie soll man das schaffen? Viele produkte kann man ersetzen: Käse (radixversand.de), Milch & Sahne (Sojamilch & Sahne gibts in fast jedem Discounter). Eier sind für viele Speisen nicht notwendig. Panieren kann man ohne. Kuchen backen geht auch ohne. Aber, was ist mit den Sachen, die man nicht ersetzen kann: Was ist mit Käsestangen? Mit Joghurt-Salatdressings? Milchreis aus der Packung? Milchschnitte? etc etc.
    Und dann kocht meine Mama wieder etwas Leckeres und ich esse mit. Weil ich keine Umstände machen will. Und weil’s so gut schmeckt.

    Ich trage allerdings die Hoffnung in mir, dass ich, wenn ich erst eine eigene Wohnung habe, mehr tun kann, als durchzusetzen, dass Sojamilch zum Kochen verwendet wird.

    Viel Kraft. Diese „Heißhungerphasen“ vergehen. 🙂

    • Ich glaub, wär ich in nem Haushalt, in dem n Vegetarier oder Veganer lebt, wär ich sofort dabei. Aber das allein durchzuziehen und dann noch nen Schnuffel im Haus zu haben der ständig leckere Sachen MIT isst… gnaa -.-

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