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Sag mir den Sinn des Seins

Es gibt Tage, da legen sich Traurigkeit, Resignation und Erschöpfung, die durch scheinbar nichts hervorgerufen wird, wie ein Mantel über Körper und Seele. Ich nehme meine Umwelt wie durch einen grauen Schleier wahr und es fühlt sich an, als säße mir irgendetwas im Nacken, drückt mich nach unten.

Ich habe keinen Grund Traurig zu sein. Meine Vergangenheit ist Geschichte. Mich prügelt niemand mehr, niemand misshandelt und quält meine Psyche. Alles ist ausgesprochen und ich habe vergeben. Trotzdem verfolgt es mich, lässt mich fast jede Nacht schlecht träumen und an Tagen wie heute drängt es sich mir dermaßen auf, dass ich es aus dem Schlaf sogar mit ins Wachsein nehme(n muss). Ich will es nicht, aber es kommt trotzdem mit. Ich denke „Ich habe vergeben, ich hab es akzeptiert, dass ich nichts rückwirkend verändern kann, ich denke eigentlich auch dass ich abgeschlossen habe… Was willst du denn noch von mir!?“ … und was bist „Du“…? Der Schrecken meiner Kindheit? Ein Dämon, der sich immer noch fest in meine Seele krallt, einfach ums verrecken nicht loslassen will?

Ich resigniere. Schaffe es an Tagen wie diesen vor Mittag nicht aus dem Bett, obwohl ich früh schlafen ging. Ich kann einfach meine Augen nicht offen halten, drifte immer wieder ab, fühle mich seltsam leicht. Ich höre meine Liebsten beiden maunzen „Los, schwing dich aus der Kiste, wir haben Hunger. JETZT!!“ Ich denke „gleich… ich bin gleich da…gleich“ lehne meinen Kopf an die Wand, meine Augen fallen zu, gehen wieder auf und wieder sind 15 Minuten vergangen. Wie kann es sein, dass ein einziges Blinzeln 15 Minuten dauert!? Schließlich stehe ich doch auf. Ich muss nichts dazu tun. Mein Körper tut es ganz von selbst, als wäre er mechanisch.

Ich öffne die Tür, meine Mädchen springen mir wie zwei schwarze, flauschige Gummibälle entgegen, reiben sich an meinen Beinen, maunzen. Sie lieben mich irgendwie… obwohl ich ihnen ihr Futter nie zur gleichen Uhrzeit geben kann. Sie harren aus und sind dankbar wenn es soweit ist. Was bleibt ihnen auch anderes übrig… Ich zwinge mir ein kleines Frühstück in den Magen und die Gedanken kreisen weiter „Wie soll ich jemals wieder arbeiten können, wenn ich es nicht mal schaffe morgens aufzustehen…“ Der Abbruch meiner Lehre liegt mittlerweile ein Jahr zurück. Ich hätte die Möglichkeit mein 3. Lehrjahr als Bürokauffrau jetzt nachzuholen – nächstes Jahr trotz allem eine abgeschlossene Lehre zu haben. Aber ich versage. Ich schaff es einfach nicht. Ich bin nicht „wach“ genug, zu oft unter dem grauen Schleier und dann wäre da noch die soziale Angst. Am größten ist sie vor der Berufsschule. Und die Angst wieder zu versagen.

Seit November 2009 warte ich nun darauf, dass mein Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente genehmigt wird. Es war ein schwerer Schritt mich dafür durchbringen und ich schäme mich immer noch dafür. Ich bin 22 und muss Rente beantragen… Das klingt ganz nach Sozialschmarotzer, noch schlimmer als Harz4. Peinlich… Im Oktober läuft mein Krankengeld aus. Noch 4 Wochen. Was dann? Sozialgeld? Ich hab Angst… Mein Plan lautete 2 Jahre Rente (länger bekommt man diese in meinem Alter sowieso nicht) und in diesen 2 Jahren komm ich wieder auf die Beine, mache mich danach selbstständig. Womit? Ich wollte Kartenlegen – es macht mir Spaß anderen zu Helfen und das Arbeiten mit Tarotkarten liegt mir sehr, ich weiß, ich bin nicht schlecht darin und habe eine recht hohe Trefferquote. Aber ein Kleingewerbe anmelden durfte und darf ich nicht. Mit Krankengeld darf ich keinen Finger rühren. Am besten katatonisch werden. Ich male gerne, dachte darüber nach meine Bilder zu verkaufen – aber wer will schon die eindeutig selbstzerstörerischen Bilder eines Freaks? Ich entdeckte mein Talent mit Tieren zu kommunizieren, dachte mir ein Fernstudium als Tierheilpraktikerin wäre eine gute Idee – doch mit Wahnsinn und Angst kann man in dieser Welt nicht bezahlen.

Wie soll das alles weitergehen? Ich weiß es nicht. Ich dümple auf der Stelle vor mich hin, kein Land in Sicht. Wies aussieht weiß ich nicht einmal wirklich wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle und irgendwie kann ich es kaum fassen, dass der Beruf tatsächlich das ist, womit du dich in dieser Welt identifizierst. Lies nur mal Kontaktanzeigen „Name, Alter, Beruf – sucht“. Ist es wirklich so wichtig was du machst? Klar ist es wichtig, DASS man Geld verdient – aber sollte es nicht eigentlich nebensächlich sein womit (illegale Tätigkeiten mal ausgenommen). Oh mann… ich könnte heulen, aber Tränen kommen nur, wenn irgendwas in einem „offen“ ist und noch sitzt der befreiende Heulkrampf bombenfest als Klos in meinem Hals.

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